2/27/2016

Zukunftsperspektiven

Ein zwischen den Zeilen ironischer Bericht über den Versuch ENDLICH seine Bestimmung zu finden. WARNUNG: Alle kursiv geschriebenen Absätze entsprechen nicht der Realität, sondern sind meiner Fantasie entsprungen.



Ich bin im letzten Jahr alleine nach Irland gereist, habe ein halbes Jahr in Australien gelebt, organisiere ein kleines Festival, habe auf einem Biohof gearbeitet und befinde mich am Ende eines journalistischen Praktikums. Ein Haufen interessanter Erfahrungen, könnte man sagen. Was all diese Dinge allerdings nicht fertiggebracht haben, ist, mir die Richtung meiner beruflichen Laufbahn zu deuten: Was um Gotteswillen soll ich studieren? (Weil man das ja offensichtlich so macht. Studieren. Nach der Schule. Und ich bin immerhin schon zwei Jahre im Verzug). Weiterhelfen und meine Perspektiven geraderücken soll nun eine Karriereberatung. Ein bisschen von unten Links (da wo die elterlichen Wurzeln liegen) geschoben, mache ich mich zusammen mit meinen Eltern auf, zum unverbindlichen Kennenlerngespräch. Ich laufe mal wieder mit, wie schon so viele Male zuvor. Weil man aber auch alleine so schlecht den Weg findet. Und ein bisschen Neugier regt sich in mir und ein bisschen Kopfschütteln. Warum ist das eigentlich so? Wer sagt uns wie unsere Zukunft läuft?

Als wir uns schließlich alle gegenübersitzen, kommt mir der Karriereberater vor wie ein alter Bekannter. Noch so ein Mensch, der mich nicht kennt, der aber eine Menge Vorschläge hat, was man mit mir in Zukunft anfangen könnte. Aber nagut, dafür bin ich schließlich auch hier. Im folgenden Gespräch wird mir vorsichtig die ein oder andere Option vorgeschlagen. Nur auf Verdacht natürlich, die wirkliche Karriereberatung ermittelt Stärken, Schwächen, Neigungen und Fähigkeiten anhand eines Testungsverfahrens.

(Gesprächsausschnitt)

"Lehrer?"
"Nein!"
"Aber sie können sich gut verkaufen.."
Dann ein vorsichtiger Einwand von mir:
""..mmh.. Journalismus interessiert mich.."
"Ouu, Ganz schlechte Berufschancen!"
Okay, war ja auch nur so eine Idee.

Und dann fühle ich mich wie bei einem Arztbesuch, wenn sich der Doktor nach Beschwerden und Leiden erkundigt: "Irgendwelche Interessen? Fähigkeiten?"
Nur das es in diesem Fall wahrscheinlich besser wäre auf die gestellten Fragen mit einem "Ja" und mindestens einer guten Antwort aufwarten zu können.

"Zukunft macht mir Angst" sage ich plötzlich trocken.
Das soll ihn warnen. Ihm verständlich machen, dass er sich hier in unsicherem Gebiet meines Verstandes bewegt. Leicht beeinflussbar, fein, zerbrechlich, ein bisschen verloren. 
Der Karriereberater schaut nicht auf, kritzelt einfach weiter auf seinem Blog herum. 

Ich versuche noch einmal zurück zu rudern. Dieser Mann soll mir helfen. Aber trotzdem kriege ich das Bild eines der grauen Herren aus Momo nicht aus dem Kopf, der da vor mir sitzt. 
"Zeit ist Geld" sagt er und verleiht seiner These mit einem zufriedenen Kopfnicken Nachdruck.

Worum geht es hier eigentlich? Am Konferenztisch mit 5 Leuten. Meinen Eltern, meinem Freund, dem Karriereberater und mir. Um mich? Um meine Zukunft als Gegenstand von Verhandlung?

Einige Tage trage ich die Erfahrung des Kennenlerngespräches mit dem Karriereberater noch mit mir herum. "Hast du schon einen Termin gemacht?" fragen meine Eltern. "Kannst du den Karriereberater leiden?" fragt meine beste Freundin. Schließlich greife ich zum Telefon und melde mich zur Testung an. Überzeugt hat mich eine Mischung aus "Mitnehmen kann man das ja mal" und "Hast du einen anderen Plan, wie du herausfindest, was du machen möchtest?" (Allerdings mit der offensichtlichen Überzeugung verbunden, dass ein baldiges Herausfinden meines Lebensweges unbedingt notwendig ist).

Einen Tag später poppt in der Inbox meines E-Mail Faches die Bestätigung des Termins auf. Ich lese: "Konkrete Entscheidungen stehen demnächst an. Zeit, dass Sie unser Motto für das Jahr 2016 vom römischen Philosophen Seneca kennenlernen, es lautet: Den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen zerrt es dahin."

[Fortsetzung folgt]




1 Kommentar:

  1. Hallo, Kira,
    ... schöne Webseite.
    Vielleicht könnte ich behilflich sein.
    LG
    Martina
    (Mühlhauser)
    www.cosmos-kinder-coaching.com
    (für Kinder jeden Alters)

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