10/08/2015

Es geht ums Ankommen und um den Weg. Manchmal schließt sich das nicht aus.

Soll es doch Winter werden. Soll der trübselig, kalte Novemberregen ruhig schon im Oktober kommen. Dann sieht eben aus dem U-Bahn Fenster gerade alles grau aus. Mir egal. Ich weiß ja noch, wie der Sommer war. Ich schreibs einfach auf.


Das Auto ist zu groß für mich. Jedenfalls macht das glaube ich von Außen den Anschein. Draußen scheint die Abendsonne und wir stehen an der Ampel, weil das Navi uns irgendwie durch die Innenstadt führt. Mitten durch die Innenstadt! Man sollte sich eben nicht blind auf sein Navigationsgerät verlassen. Das sagt mein Freund immer, aber der kann auch Karten lesen und ich eben nicht und außerdem ist er nicht hier. Hier bin nur ich, am Steuer und meine Freundin, auf dem Beifahrersitz. Wir stehen hier schon ein paar Minuten an der Ampel die nicht grün wird und der Typ im Auto neben uns guckt mich kritisch durch das Autofenster an. Ich bin mir sicher, dass er sowas denkt wie: „Die ist so klein und fährt dieses große Auto.“ Stimmt ja auch, dieser VW Bus ist verdammt schaukelig und besonders auf diesen stark befahrenen Innenstadtstraßen erscheint er etwas... überdimensioniert. Der Mann neben uns weiß aber nicht, dass ich schon als Baby in diesem VW Bus gefahren bin, ich bin praktisch in diesem Auto aufgewachsen. Außerdem fühle ich mich zwar klein, aber auch irgendwie gut am Steuer. Und meinetwegen kann sich dieser Typ mal… oh, es wird grün.

Wir sind schon ein paar Stunden unterwegs. Wir haben auch ein Ziel, aber eigentlich ist das gerade gar nicht so wichtig. Als wir erst mal aus der Innenstadt wieder raus und auf der Autobahn sind, fahren wir nämlich dem Sonnenuntergang entgegen. Das hört sich ziemlich kitschig an, aber es ist einfach nur schön. Wir sind beide in so einer Stimmung, ein bisschen mehr als lächelnd mit so einem Kribbeln im Bauch. Und ich bin ganz ich, bin ganz stark und bestimmt, schließlich fahre ich auch dieses große Auto.

Als wir aus dem Fenster in der Ferne einen Fluss sehen, wissen wir, dass wir jetzt schwimmen gehen müssen. Das bietet sich an. Es ist warm, die Sonne geht unter und Zeit spielt keine Rolle. Es geht zwar ums Ankommen, aber trotzdem auch um den Weg. Manchmal schließt sich das nicht aus. Deshalb nehmen wir die nächste Ausfahrt und fahren zum Fluss. Nicht nach Navi, das hat sich nicht bewährt und außerdem wissen wir ja, in welche Himmelsrichtung wir müssen.

Ein paar Minuten später finden wir uns in einem Feldweg wieder, der nach ein paar Metern einfach endet. „Sag mal, was ist denn hier los? Wege enden doch nicht einfach so. Das widerspricht vollkommen ihrer Bestimmung! Wege führen an Orte, oder zumindest zu anderen Wegen, verdammt nochmal.“ Und dann mache ich die Erfahrung, dass ich mich in diesem Auto noch so gut fühlen kann, das Wenden auf einem Feldweg, neben einem Abhang, bleibt eine mittlere Katastrophe.

Glücklicher weise ist der zweite Anlauf zielführender.
Und dann parken wir.
Und dann baden wir nackt im Fluss.
Und dann kann ich nicht anders, als immer wieder in die Strömung zu tauchen, so hoch ich kann wieder in die Luft zu springen und mich einfach fallen zu lassen. Immer wieder, ganz oft. Dabei denke ich rein gar nichts.

Das Gefühl von Wasser auf nackter Haut ist eines der lebendigsten die ich kenne.
Wir fahren wieder, jetzt auf einem Feldweg. Links und rechts sind manchmal Bäume und der Weg führt in Schlangenlinien durch die Landschaft. Ein Lied mit viel Rhythmus, so elektro-swing mäßig, würde jetzt gut passen, während wir uns durch die Dämmerung die Straße entlang schlängeln. „Ich fühl mich irgendwie echt sicher mit dir im Auto wenn du fährst.“ sagt meine Freundin.
Ich mich auch.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen