7/09/2015

Selbstverständlichkeiten



Es ist nicht, dass sich alles verändern würde. Das tut es sowieso – immer. Es ist mehr der Verlust von einer Reihe Selbstverständlichkeiten. Das ist nicht tragisch, sondern wahrscheinlich ganz normal. So wie es eben normal ist das man manchmal für eine gewisse Zeit das Gefühl hat, alles würde einem durch die Finger gleiten, ohne das man es zu fassen kriegt, bevor es sich wie von selbst wieder sortiert und seinen Gang geht.

Natürlich denke ich während ich das schreibe mal wieder an meine beendete Schulzeit, die mein Leben so stark strukturiert und beeinflusst hat. Und an die Menschen die so selbstverständlich um mich waren von denen ich manche jetzt schon so lange nicht mehr gesehen habe.
Am besten aber beschreibt das was ich meine ein kurzer Moment der mich Gestern zum nachdenken gebracht hat. Ein Sandkastenfreund von mir war zu Besuch, den ich seit einiger Zeit nicht mehr gesehen hatte und die erste Frage die er stellte, während er durch die Küchentür kam war „Wie geht es deiner Katze?“. Und während ich in der Küche mit dem Rücken zur Spüle stand und das Ende von meinem Pferdeschwanz zwischen den Fingern zwirbelte, musste ich antworten „Die ist tot“. Und in den Sekunden dieses kleinen Wortwechsels kam mir in den Sinn, dass mein Freund von Kinderbeinen an wahrscheinlich einer der wenigen Menschen ist, die in der Lage sind, zu verstehen, was für eine Selbstverständlichkeit mit meiner Katze gegangen ist. Nicht viele Sachen habe ich so wenig in Frage gestellt wie das einfache Dasein der zusammengerollten, schnurrenden Wärme in meinem Bett wenn es im Winter früh Dunkel wurde. Oder die miauende Lebendigkeit die mir entgegen rannte, wenn ich nach einem langen Tag nach Hause kam. Das war so, als ich 7 Jahre alt war und in die erste Klasse ging, und bestand unverändert als ich mit 19 Jahren mein Abiturzeugnis in den Händen hielt. Jetzt gibt es manchmal Momente in denen ich unbewusst nach dieser Selbstverständlichkeit in unserem Haus suche und auch wenn alles seinen gewohnten Gang geht, es viel zu tun gibt und sich wie immer alles verändert, weiß ich das sie mir fehlt.

Und aus diesem Anlass möchte ich gerne loswerden, dass ich sehr froh über die Selbstverständlichkeiten meines Lebens bin. Und wenn eine dieser Selbstverständlichkeiten geht möchte ich mir gerne einen Moment Zeit nehmen und mich mit johlendem Applaus von ihr verabschieden. Zumindest innerlich. „Hey! Wie gut das es dich gab. Manchmal hast du mir sehr viel Halt gegeben“

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