5/28/2015

Indonesien, Bali 17.05.15 - 27.05.15



Okay, ein Versuch. Bali in Buchstaben.



"Weißer Rauch ringelt sich in eleganten, spiralenförmigen Bewegungen zum Himmel und lässt die Luft an manchen Stellen milchig erscheinen. Er kommt von einem Räucherstäbchen, das auf dem Rand eines handteller großen, geflochtenen Bambuskörbchen liegt. Gefüllt ist das kleine Körbchen mit Blüten, Reis und kleinen Bonbons. Gehalten wird es von zwei sehr braunen, faltigen Händen. Die ältere Frau, mit den zu einem Knoten hoch gesteckten, seidig schwarzen Haaren, trägt das Bambusgeflecht vorsichig zu einem an der Wand angebrachten Altar und platziert es vor der Statue des Elefantengottes "Ganesha". Ganz bei sich murmelt sie ein paar Worte, bevor sie sich umdreht und zu ihrem Alltag übergeht."

Erste Eindrücke

Als unser verspätetes Flugzeug in den Abendstunden Denpasar, die Hauptstadt Balis, erreicht, ist es Draußen dunkel und schwül. Wir beide sind ein bisschen müde, aber keine Reise ist an einem Flughafen zu ende. Deshalb machen wir uns auf den Weg, die großen Wartehallen hinter uns zu lassen, ohne zu wissen, was für eine Schlacht sich vor dem Eingang abspielt. Sobald man mit seinem Gepäck durch die Tür mit der Aufschrift "arrival" tritt, wird man von aufgeregten Rufen der auf einen zu eilenden Landsleute empfangen: "Taxi, with me for 300.000 Rupiah!!!". Kurz bin ich irritiert von der Direktheit der Blicke, jeder der mir hier ein Taxi anbietet versucht unsere Aufmerksamkeit auf eindringlichste Weise für sich zu gewinnen. Als Tourist ist man hier auch Einkommensquelle des Landes, natürlich.

Nur eine Nacht bleiben wir in der Hauptstadt der Insel. Hier gibt es nichts für uns, das haben wir aus so vielen Erzählungen gehört, dass wir uns kein eigenes Urteil zu bilden brauchen. Besonders der nahegelegenen Partymeile "Kuta" eilt der Ruf voraus, nicht viel mehr zu bieten zu haben als vollgedröhnte Partyurlauber, aber wie gesagt, kein eigener Erfahrungswert dazu. Uns beide zieht es ins Innere der Insel, nach Ubud. Unser Gepäck, vollgestopft mit Wintersachen, lassen wir bis auf einen Rucksack in Denpasar und mieten uns einen Roller, für den Weg nach Ubud und die restlichen 9 Tage.

Unter der brennenden Sonne liegt das Wirrwarr von Straßen, dem man sich stellen muss, will man auf eigene Faust durch Bali. Und dann gibt es da noch die Indonesische Definition von "Straßenverkehr", die nichts mit der deutschen gemein hat. Mehr Roller als Autos, so scheint es mir. Und es gibt Ampeln, aber die zählen nicht viel. Und Fahrbahnmarkierungen, die jeder stolz übersieht. Und sowas wie Fahrtrichtungen, was übersetzt bedeutet "80 Prozent der Fahrzeuge fahren in diese Richtung und nur etwa 20 Prozent kommen dir überraschend entgegen". Überholt wird rechts und links und dazwischen. Helge passt sich schnell an das regellose Konzept an, während ich von meiner Position hinten auf dem Roller in regelmäßigen Abständen die sich immer wiederholenden Wörter "Stop, Halt und Nein" nach vorne brülle.

Der Geruch

Während ich für Australien Eukalyptus mit hier und da etwas Meeresbriese gewählt hätte, riecht Bali nach einer wilden Mischung aus Abgasen, Essen, Räucherstäbchen und vielleicht Blüten. Das ist widersprüchlich, aber nur der Anfang der Gegensätze, die in Bali aufeinander treffen. Das Auge für Schönheit von Blütenblättern, Tempeln und Kleidung, das die Menschen hier zu besitzen scheinen, gegenüber dem absolut nicht vorhandenen Empfinden für die Ausmaße, die die Verschmutzung der Landschaft mit jedem weiteren Stück Plastik, das rücksichtslos ins Meer geworfen wird, annimmt. Die lauten, lebendigen Straßen und die Stille in Gebet und Meditation.



In ein paar Tagen weiß ich, das Ubud der Ort sein wird, der mir am besten gefällt, von dem was wir auf Bali sehen. Im Norden umringt von Reisfeldern, ist Ubud ein bisschen künstlerisch, ein bisschen alternativ, spirituell und natürlich ein bisschen touristisch. Viele kleine Tempel gibt es hier, was daran liegt, das ein viertel jedes balinesischen Wohngrundstücks aus Tempel besteht. Und ich glaube daran, dass es keine schönere Landwirtschaft gibt als Reisterrassen.



Was wir sonst noch von Bali sehen

Wir statten den Gili Inseln einen Besuch ab, die eigentlich nicht mehr zu Bali gehören, aber oft mit auf der Reiseroute Bali-Bereisender stehen. Drei kleine Inseln, die sich bequem zu Fuß durchqueren lassen und mit weißem Sand im türkisenen Wasser des Ozeans platziert sind. Landschaftlich ist es atemberaubend, aber hier fühlt es sich an, als hätte der Tourismus überhandgenommen. Alle Einheimischen, die hier leben, verdienen ihr Geld mit dem Tourismus und das Dorf aus Restaurants, Unterkünften und Nachtclubs, fühlt sich kein bisschen an wie das richtige Indonesien. Deshalb verbringen wir unsere Restzeit an dem Surferstrand "Balangan Beach", der auf Bali unten im Süden liegt.



"Warme Straßen liegen in der abendlichen Dunkelheit, ebenso lebendig wie bei Tag. Zwei Männer stehen am Straßenrand, jeder vor einem viereckigen, hohen, aber schmalen Holzkasten auf Rädern. Beide transportieren darin Essen, dass sie an alle verkaufen, die es auf die abendliche Straße hinaus führt. Der eine hat einen großen Kessel mit Suppe in seinem Wagen stehen und Fleischbällchen und Glasnudeln in kleine Regale daneben gestapelt. Der andere grillt kleine Spieße mit Hähnchenfleisch über einer auf dem Wagen angebrachte Metallrinne, in der er Glut transportiert. Er hat auch kleine Rollen mit zusammen gequetschtem Reis, den er in Scheiben auf den Teller schneidet und Sate sauce, die er für jedes Gericht neu anmischt. Kauft ein Passant etwas zu essen, wird ihm ein kleiner Plastikhocker angeboten. Nach einiger Zeit kommt ein Mann die Straße entlang, der einen dritten Wagen vor sich entlang schiebt. Seine Speise ist mit einem Deckel abgedeckt. "What is it?" fragen wir neugierig und zeigen auf den Deckel. "Icecream" lacht der Mann und gibt uns kleine Becher mit kalter süßer creme, die nach Kokosnuss schmeckt."






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