3/08/2015

Jacks Haus


Es ist ein bisschen Zeit vergangen, seit dem letzten Mal, dass ihr lesen konntet, wie es uns auf unserer Reise ergeht. Das liegt vielleicht daran, dass die Zeit nach unserer Reise zum Uluru nicht besonders ereignisreich war. Über Adelaide bewegen wir uns an der Küste entlang, Richtung Osten, mehr und mehr an den südlichsten Zipfel Australiens. Am meisten macht sich das an der Temperatur bemerkbar. Vor ein paar Wochen noch hatten wir mit der Outbackhitze zu kämpfen, wohingegen wir jetzt die Secondhandshops der Küstenstädte auf der Suche nach warmer Kleidung plündern. Und wenn man lange Zeit unterwegs ist, so wie wir, dann gibt es natürlich nicht nur gute Momente. Das war die Einleitung um zu erzählen, dass sich genau in diesen nicht so sehr ereignisreichen Tagen eine kleine Unzufriedenheit in meinem Bauch breit gemacht hat. Unzufriedenheit von der Sorte "Mensch, wir sind auf Reisen und es fließt gar nicht so richtig". Komischerweise sind es oft gerade die Momente, in denen einem irgendjemand im Universum beweisen will, dass es nicht so läuft, wie man es sich denkt. Und deshalb wurde meine Unzufriedenheitswelle von einer unerwarteten Nacht am Strand mit Lagerfeuer, in Gesellschaft eines Gitarre spielenden Iren, unterbrochen. Und das war gerade erst das anfängliche Bachplätschern von dem Wasserstrom, der unseren Reisefluss wieder ins fließen gebracht hat.

Wie wir Jack und Nancy kennengelernt haben, muss ich erzählen, weil es einen vielleicht besser verstehen lässt, was das für zwei Menschen sind. Weil wir an einem Abend in Kingston schöne Gitarrenmusik aus einem kleinen Pavillon auf einer Wiese gehört haben, sind wir dort in die Nähe gegangen, um besser zuhören zu können. In der Mitte des Pavillons saß Jack mit seiner Gitarre auf einem Stuhl und Nancy auf der Brüstung des Pavillons, ein Bein angewinkelt, eins herunter baumelnd. Irgendwann hat Nancy uns heran gewinkt und eine Unterhaltung mit dem Austausch von ein paar Gitarrenliedern begann. Nancy und Jack gehen auf die 70 zu, sind beide sehr nett und haben etwas ein bisschen verrücktes an sich. Jacks Augen funkeln so lebendig, als wären es die eines kleinen Jungen, besonders wenn er anfängt Gitarre zu spielen und zu singen. Nancy hat den Kopf voller Einfälle und Ideen und ist der fürsorgliche Part der beiden. Das sich die Beiden vor nicht allzu langer Zeit auf einem Festival kennengelernt haben, passt wie die Faust aufs Auge.

Den Abend, an dem wir Jack und Nancy kennengelernt haben, habe ich den "Musikpavillonabend" getauft und er gehört bestimmt mit zu den schönsten Abenden der Australienzeit. Wie auch immer, natürlich hat Nancy es sich nicht nehmen lassen, uns für den nächsten Morgen zum Frühstück einzuladen, in Jacks Haus, welches man, wenn man in die Richtung schaute in die ihr Finger zeigte, zwischen ein paar Bäumen hinter einem kleinen Zaun sehen konnte. Direkt am Meer. Aus einer Bekanntschaft und einem Frühstück (mit Kaffee!!) entstand die Idee, uns beide in Jacks altem Haus arbeiten zu lassen. Nur für zwei Tage, Farbe von den Wänden kratzen und Fensterrahmen schmirgeln. Es sollte der erste Schritt für die anstehende Renovierung des Hauses werden, vor der Jack sich schon so lange gedrückt hatte.

Schöne zwei Tage, in denen wir mal nur zu zweit, mal zusammen mit Jack und Nancy, an dem alten Haus arbeiteten. Vollverpflegung durch Nancys superleckere Kochkünste und natürlich Abende voller Musik. Nicht zu vergessen, eine Verbesserung unseres Reisebudgets. Die Stimmung der Tage, eingerahmt von Jacks uraltem Haus, das irgendwie bei allem die zentrale Rolle spielte. Helge findet Jacks Haus wunderschön, ich auch. Wahrscheinlich jeder. So heruntergekommen es auch ist, zweifelt man trotzdem keinen Moment daran, dass aus den hohen Räumen und der kunstvoll verzierten Fassade wieder ein sehr schöner Ort entstehen kann. Aber auch heruntergekommene Häuser haben irgendwie Charme. Und schließlich steht es direkt am Meer. :)
("...and I wish I could buy a house by the sea")


Jacks Haus

Feuer und Schlafplatz am Strand. Links unser Auto, rechts das Auto des Iren :)




Stadtleben in Adelaide


Kommentare:

  1. Habt ihr euch jetzt einen Bus gekauft?

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    1. Das war der Test wer sich aufmerksam unseren Blog durchliest. Du hast ihn bestanden, herzlichen Glückwunsch! (nein, kein neues Auto. Ich hab natürlich rechts und links vertauscht)

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