2/04/2015

Eine kurze Begegnung



 
Keine Fotos - alles was ich schreibe, müsst ihr mir einfach so glauben, oder eben nicht.

Solange wir noch einen Job in Esperance haben und sozusagen hier ansässig sind, ist unser weitestes Reiseziel der Nationalpark Cape le Grande, in dem auch die Bucht "Lucky Bay" liegt. 50 km von Esperance entfernt, ist er mit Abstand das Schönste, was es hier in der Gegend zu sehen gibt und vielleicht auch einer der schönsten Plätze überhaupt. Unsere letzten beiden freien Tage haben wir mal wieder in Lucky Bay verbracht, aber darum geht es hier eigentlich gar nicht.

Viel ereignisreicher war unsere Rückfahrt durch den Nationalpark, auf der wir einen kleinen Abstecher zur Bucht "Hellfire Bay" machten. Zunächst gar nicht so sicher, ob wir da jetzt noch hin fahren wollen - schließlich waren wir heute schon schwimmen - haben wir schließlich doch den kleinen, zum Glück asphaltierten, Abzweig zur Bucht genommen und uns mit unseren Schwimmsachen und Schnorcheln auf den Weg zum Wasser gemacht. Hellfire Bay hat, wie eigentlich jeder Strand in Esperance und Cape le Grande, so türkises Wasser, dass es einen immer wieder neu zum Staunen bringt und Sand wie Schnee - weiß und puderig. Als wir den Strand entlang gehen und gerade überlegen, wo wir unsere Handtücher deponieren wollen, spricht uns ein Mann an, der gerade vom anderen Ende der Bucht kommt. "Do you want to see dolphins?" Seiner Beschreibung folgend, laufen wir den Strand entlang bis zum Ende und als wir das letzte Drittel der Bucht erreichen, sieht Helge sie und kurz darauf auch ich. Mal blitzt hier eine Rückenflosse aus dem Wasser, mal eine Schwanzflosse dort. Von Euphorie gepackt fangen wir an zu rennen, bis wir am vom Strand aus nächsten Punkt zu den Delphinen stehen. Ungefähr vier bis fünf Tiere spielen in so flachem Wasser, dass es einem gerade mal bis zur Brust gehen würde. Wir ziehen uns Badesachen und Schnorchel an und gehen auch ins Wasser. Außer uns und den Delphinen ist weder am Strand, noch im Wasser, auch nur eine Menschenseele zu sehen. Bei mir geht alles relativ hektisch zu. "Da vorne sind Delphine im Wasser" denke ich, während ich versuche meine Taucherflossen auf einem Bein stehend anzuziehen und eine Welle mich umwirft. Trotzdem schaffe ich es relativ zügig und bin im Wasser mit den Flossen sehr schnell unterwegs. Es dauert nicht lange und ich bin den Tieren so nahe, dass ich sie mit meiner Taucherbrille ganz deutlich unter Wasser vor mir sehe. Ich habe ein bisschen Angst, als ich die vielen großen Tiere sehe und die gebogenen Rückenflossen und stelle mir vor, was ich machen würde, wenn das alles Haie wären. Aber der Gedanke ist sofort verschwunden, als ich den Delphinen plötzlich so nahe bin, dass ich sie berühren könnte, würde ich den Arm ausstrecken. Für eine kurze Zeit, eine Minute vielleicht schwimme ich neben ihnen, fast ein Teil der Gruppe. Dann entfernen sie sich ein Stück. Links von mir sehe ich zwei oder drei Delphine schräg in Richtung Strand schwimmen und ich ändere meine Richtung und schwimme auf sie zu. Unterwasser ist der hohe Ruf eines Delphins zu hören, kurz bevor die Dreiergruppe von mir verschreckt kehrt macht und wieder in Richtung Meer schwimmt. Das Wasser ist immer noch so flach, dass ich stehen kann und ich halte Ausschau nach Helge, den ich irgendwo in meiner Nähe wähne, aber unter Wasser nicht sehen kann. Helge ist ein gutes Stück weiter hinten als ich und als ich zu ihm schwimme, sagt er, dass es besser wäre nicht direkt auf die Delphine zu zu schwimmen, um sie nicht zu verscheuchen.

Wir schnorcheln noch ein bisschen durchs Wasser, doch die Delphine sind verschwunden. Erst jetzt wird mir klar, dass ich mich in meiner Euphorie wohl ein bisschen unvorsichtig und zu direkt vorgewagt und die Delphine verschreckt habe. Wieder an Land, kann ich es noch nicht glauben, so nah an der Gruppe Delphine gewesen zu sein und gleichzeitig tut es mir leid für Helge, der bei weitem nicht so viel von den Tieren gesehen hat wie ich. Hätte ich mich bedachter bewegt und mehr Abstand zu den Tieren gehalten, würden sie vielleicht immer noch im flachen Wasser spielen. Als wir die Situation kurz danach Revue passieren lassen, sind wir uns beide einig, ein bisschen überstürzt gehandelt zu haben. Gerade ein paar Tage vorher, hatten wir uns mit der australischen Familie, in deren Garten wir wohnen, über Delphine unterhalten und Jurg hatte erzählt, dass er schon öfter mit Delphinen geschnorchelt ist und meistens versucht, so nah wie möglich an die Tiere heran zu schwimmen. Nach unserer eigenen Erfahrung würden wir es nun aber trotzdem etwas ruhiger angehen und vielleicht erstmal eine Weile vom Strand aus beobachten, wenn wir das nächste Mal das Glück haben Delphinen im Meer so nahe zu sein.


Lucky Bay von Oben

Kommentare:

  1. Das hört sich toll an und der Strand ist ja mal wunderschön! Bin ja schon fast neidisch, wenn ich hier nicht auch so glücklich wäre, auch wenn es fast genau das Gegenteil zu dem ist was du erlebst. :)

    Ich weiß noch, dass wir vor 7 Jahren auch im Wasser schorcheln waren und dann war da auf einmal ein Delphin, der da herschwomm. Aber ich kann dir nicht mehr sagen wo das war und ich kann mich auch nur noch dran erinnern, da es davon Fotos gibt.. einfach schon zu lange her. :(

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