2/16/2015

Die weite Reise zum Uluru

Die weite Reise zum Uluru hat begonnen. Knapp über 2000 Kilometer zu fahren, was nicht der kürzeste Weg ist, aber der sicherere. An der Küste, der Great Australian Bight entlang, gibt es nämlich wenigstens so etwas ähnliches, wie Besiedelung. Außerdem asphaltierte Straßen. Wohingegen die alternative, direktere Route, die durchs Inland führt, mitten durch die Wüste geht. Wählt man diesen Weg, ist es notwendig, sich am Anfang der Strecke, sowie am Ende bei einer Polizeistation zu melden, um sicher zu gehen, das man den Weg heile übersteht. Obwohl wir den anderen Weg, nahe der Küste gewählt haben, fahren wir ein Stück durch den Nullarbor. Der Name der Wüste, der sich anhört wie aus einem Filmtitel, bedeutet so viel wie "Ohne Bäume", was zutreffend ist. Wobei die Benennung der Aborigines mit der Übersetzung "Ohne Wasser", die Sache noch etwas mehr auf den Punkt bringt.

An unserem ersten Reisetag legen wir knapp über 1000 Kilometer zurück und durchqueren den Nullarbor fast. Ein Hoch auf die Klimatisierung unseres Autos. Man sieht den ganzen Tag nicht viel, die Orte die wir durchqueren sind klein und ausgestorben. Überall wo es möglich ist, tanken wir, weil der Sprit am Anfang der Strecke noch günstiger sein soll. Bei solchen Tankpausen schlägt einem die Hitze heftig entgegen, sobald man die Tür öffnet, sodass die geplante Mittagessenspause dann doch während der Fahrt im Auto abgehalten wird. Irgendwann überqueren wir die Grenze zum nächsten Bundesstaat. Wir sind jetzt nicht mehr in Western Australia, sondern in South Australia und müssen unsere Uhren um 2 Stunden vor stellen, was sich komisch anfühlt. Da hinten am Baum war es doch noch vier Uhr und hier vorne beim Busch ist es schon 6?

Wir übernachten, wie auch in der Nacht davor, auf einem dafür gedachten Parkplatz mit ein paar Bäumen direkt neben dem Highway. Manchmal trifft man hier auf andere Reisende, manchmal nicht. Mir ist es immer lieber, wenn wir nicht die einzigen Reisenden auf einem Parkplatz sind, sich Leute hier und da unterhalten, Essen kochen und kleine Lichter auf dem Platz brennen. Am zweiten Reisetag haben wir den Nullarbor durchquert und den ersten, etwas größeren Ort "Ceduna", der direkt hinter einem Aborigine Reservat liegt, erreicht. Wir machen eine Pause dort und treffen auf mehrere Gruppen der Ureinwohner. Wir werden nach Geld gefragt, ein paar der älteren wirken betrunken. Mir fällt auf, dass ich gerne mehr über die Geschichte der Leute wissen würde, die Australien schon so lange ihr Zuhause nennen. Vor allem aber mehr über die Gründe, warum man so viele von ihnen auf der Straße antrifft. Ceduna finden wir nicht schön und deshalb fahren wir weiter, auf der Suche nach einem Schlafplatz. Mir geht es plötzlich sehr schlecht. Mir ist übel und ich habe Kopfschmerzen, was wir beide auf unser Wasser schieben. Zum einen habe ich zu wenig davon getrunken und zum anderen ist es nicht gut. Helge sagt, dass er schon davon gehört hat, das Trinkwasser "umkippt", es aber bis jetzt noch nicht selbst erlebt hat. Für die Nacht finden wir schließlich einen der beschriebenen Rastplätze am Highway, allerdings ohne eine Menschenseele. Die Nacht ist warm und der Morgen geradezu heiß, leider birgt das Erwachen eine Überraschung. Wir haben eine Maus im Auto, die sich nachts an unseren Vorräten zu schaffen gemacht hat und die, sobald man sie zu fangen versucht, in die vordere Innenraumverkleidung unseres Autos flüchtet. Ich habe Mäuse noch nie so sehr verflucht.

Als wir aufbrechen, um mal wieder etwas Stecke zurück zu legen, geht nach den ersten hundert Metern mit lautem Geratter unsere Klimaanlage kaputt und es ist als würde der Tag mit allen Mitteln versuchen, ein besonders schrecklicher zu werden. Wir sind uns sehr schnell einig, dass wir nicht auf die Idee kommen, unseren Weg zum Uluru ohne funktionierende Klimaanlage fortzusetzen. Es ist Samstagmittag und der neue Plan lautet, sich einen Ort am Meer zu suchen, um dort die Zeit bis Montag zu verbringen und dann hoffentlich eine Werkstatt zu finden, in der wir unsere Klimaanlage günstig reparieren lassen können. Den weiteren Tag verbringen wir in dem kleinen Küstenort "Streaky Bay", der zugegeben sehr schön ist. Helge sagt treffend "Die Hitze macht die Welt sehr klein. Man hat sein kleines Fleckchen Schatten, das man auf keinen Fall verlassen darf. Und wenn doch, dann nur um gradlinig zum Wasser zu laufen". Das stimmt. Es ist so heiß, dass ich mich frage, wie ich das länger als einen Tag aushalten soll. Zum Glück (!!!) bringt der nächste Tag kühleres Wetter.

Kleines Nachwort

Man möge es nicht glauben, aber der Defekt an unserer Autoklimatisierung lag tatsächlich an zwei (!) toten Mäusen, die sich im Ventilator verhangen hatten. Das ist aus unserer Sicht der beste Grund, den es für den Defekt geben kann, weil er - sobald erkannt- sehr schnell und ohne Kosten behoben war. Leider raschelt es immer noch in unserem Auto und nach einer längeren, erfolglosen Mausefangaktion gestern Abend, fahren wir nun schwerere Geschütze auf und haben uns eine Mausefalle besorgt. Das Wetter ist generell ein bisschen kühler (der heiße Tag war wohl eine Ausnahme) und wir finden es gut, zwei Tage in Streaky Bay verbracht zu haben. Immerhin konnten wir so eine Seelöwenkolonie bestaunen, in "Smooth Pool" (einem vom Meer abgetrennten Becken, mit vielen Fischen) schnorcheln und ein paar Delphine aus der Ferne beobachten. Morgen geht es, wenn alles nach Plan läuft, weiter.


Die Wüste "Nullarbor". Hier gibt es sogar Kamele :o

Immer wieder sind Straßenabschnitte als Landebahn für den "Flying Doc" gekennzeichnet. "Wenn ihr ein Flugzeug landen seht" heißt es "dann wisst ihr das Jemand einen wirklich schlimmen Unfall hatte"

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