2/23/2015

Tiefes rotbraun


Nach der Hinreise und ein bisschen Herumgereise, sind wir nun wieder auf der Rückreise. Wir haben ihn gesehen, den Uluru, und noch ein bisschen mehr. Würde mich jemand nach der Farbe der letzten paar Tage fragen, würde ich sagen: tiefes tiefes rot braun. Das ist die Farbe des größten Monolith der Welt, dem Uluru. Aber nicht nur. Es ist auch die Farbe der Kata Tjuta, einer Monolithenformation nicht weit entfernt, und es ist die Farbe des Kings Canyon. Es ist die Farbe der "Dirt Road", die man hin und wieder fahren muss, um an eben gerade DIE Orte zu kommen. Würde ich alles was wir gesehen und erlebt haben ganz genau beschreiben, würde das sehr lange dauern. Deshalb kommt hier, was es in aller Kürze zu sagen gibt:

DER ULURU erzählt viel von der Geschichte der Aborigines. Rings um den Monolithen gibt es viele heilige Plätze. An manchen Stellen ist es wunderschön, wenn sich ein bisschen Wasser am Fuße angesammelt hat, Bäume und Gräser in dem sonst öden Gebiet wachsen und man von den hohen, tief roten Wänden geschützt wird. Außerdem ist er das Beispiel schlechthin für heiliges Land der Aborigines, was von Weißen an sich genommen und erst nach langer Zeit wieder zurückgegeben wurde.

DIE KATA TJUTA lässt sich gut umwandern haben wir festgestellt. Allerdings nur wenn man sich vor Sonnenaufgang aus dem Bett traut und die paar "kühlen" Stunden bevor die 36 Grad Marke durchbrochen wird ausnutzt.

DER KINGS CANYON verbirgt in seiner Schlucht einen Platz namens "The Garden Eden", den man nach einem Anstieg und ein bisschen Wandern erreicht. Ein See in der Schlucht zwischen zwei Felswänden, der nie austrocknet, weil der Sandstein ringsum das Regenwasser speichert. Da gibt es Palmen und kleine Frösche.

Auf der Rückfahrt vom Kings Canyon ist mir bei 110 km/h der rechte Hinterreifen geplatzt. Was uns eine Reifenwechselaktion bei unglaublicher Hitze und einen Tag länger in Coober Pedy, der wohl einzigen richtigen Stadt zwischen dem Uluru und der südlichen Küste, einbrachte. Inzwischen haben wir ein neues Ersatzrad erstanden und uns angeguckt, was es in Coober Pedy zu sehen gibt. Das ist gar nicht so wenig. Rings um Coober Pedy wurden insgesamt 3,5 Millionen Löcher in die Erde gebohrt, um die Erde nach Opal abzusuchen. Eine Stadt, die nur wegen dem im Boden vorkommenden Edelstein existiert. Weil es im Sommer in Coober Pedy so heiß wird, haben die Bewohner der Stadt ihre Häuser unter die Erde in die Hügel der Landschaft gebaut. "Crazy stuff here" ist der Satz, den die Tourführerin in einem Museum, das wir besuchen, wohl am häufigsten verwendet. Jeder der hier nach Opal sucht, macht das auf eigene Faust, deshalb ist es nicht verwunderlich, dass jeder zweite Bewohner eine "Tunnling Machine" zum Bohren der Tunnel unter Tage besitzt. Alles was man hier braucht, um nach Opal zu suchen, ist eine Lizenz, die man im Rathaus erstehen kann. Dann sucht man sich ein Gebiet, in dem man gerne buddeln möchte, und versucht sein Glück. Es gibt auch ein öffentliches Feld, in dem Jeder der will, nach Opal suchen kann. Helge und ich haben unser Glück versucht und ein paar schöne Steine mit Farbgehalt gefunden.
Uluru

Am Kings Canyon

Helge und der gefundene Hut

"Heeelgee? Kannst du mir auch so eine Bank bauen?"

The Garden Eden

2/16/2015

Die weite Reise zum Uluru

Die weite Reise zum Uluru hat begonnen. Knapp über 2000 Kilometer zu fahren, was nicht der kürzeste Weg ist, aber der sicherere. An der Küste, der Great Australian Bight entlang, gibt es nämlich wenigstens so etwas ähnliches, wie Besiedelung. Außerdem asphaltierte Straßen. Wohingegen die alternative, direktere Route, die durchs Inland führt, mitten durch die Wüste geht. Wählt man diesen Weg, ist es notwendig, sich am Anfang der Strecke, sowie am Ende bei einer Polizeistation zu melden, um sicher zu gehen, das man den Weg heile übersteht. Obwohl wir den anderen Weg, nahe der Küste gewählt haben, fahren wir ein Stück durch den Nullarbor. Der Name der Wüste, der sich anhört wie aus einem Filmtitel, bedeutet so viel wie "Ohne Bäume", was zutreffend ist. Wobei die Benennung der Aborigines mit der Übersetzung "Ohne Wasser", die Sache noch etwas mehr auf den Punkt bringt.

An unserem ersten Reisetag legen wir knapp über 1000 Kilometer zurück und durchqueren den Nullarbor fast. Ein Hoch auf die Klimatisierung unseres Autos. Man sieht den ganzen Tag nicht viel, die Orte die wir durchqueren sind klein und ausgestorben. Überall wo es möglich ist, tanken wir, weil der Sprit am Anfang der Strecke noch günstiger sein soll. Bei solchen Tankpausen schlägt einem die Hitze heftig entgegen, sobald man die Tür öffnet, sodass die geplante Mittagessenspause dann doch während der Fahrt im Auto abgehalten wird. Irgendwann überqueren wir die Grenze zum nächsten Bundesstaat. Wir sind jetzt nicht mehr in Western Australia, sondern in South Australia und müssen unsere Uhren um 2 Stunden vor stellen, was sich komisch anfühlt. Da hinten am Baum war es doch noch vier Uhr und hier vorne beim Busch ist es schon 6?

Wir übernachten, wie auch in der Nacht davor, auf einem dafür gedachten Parkplatz mit ein paar Bäumen direkt neben dem Highway. Manchmal trifft man hier auf andere Reisende, manchmal nicht. Mir ist es immer lieber, wenn wir nicht die einzigen Reisenden auf einem Parkplatz sind, sich Leute hier und da unterhalten, Essen kochen und kleine Lichter auf dem Platz brennen. Am zweiten Reisetag haben wir den Nullarbor durchquert und den ersten, etwas größeren Ort "Ceduna", der direkt hinter einem Aborigine Reservat liegt, erreicht. Wir machen eine Pause dort und treffen auf mehrere Gruppen der Ureinwohner. Wir werden nach Geld gefragt, ein paar der älteren wirken betrunken. Mir fällt auf, dass ich gerne mehr über die Geschichte der Leute wissen würde, die Australien schon so lange ihr Zuhause nennen. Vor allem aber mehr über die Gründe, warum man so viele von ihnen auf der Straße antrifft. Ceduna finden wir nicht schön und deshalb fahren wir weiter, auf der Suche nach einem Schlafplatz. Mir geht es plötzlich sehr schlecht. Mir ist übel und ich habe Kopfschmerzen, was wir beide auf unser Wasser schieben. Zum einen habe ich zu wenig davon getrunken und zum anderen ist es nicht gut. Helge sagt, dass er schon davon gehört hat, das Trinkwasser "umkippt", es aber bis jetzt noch nicht selbst erlebt hat. Für die Nacht finden wir schließlich einen der beschriebenen Rastplätze am Highway, allerdings ohne eine Menschenseele. Die Nacht ist warm und der Morgen geradezu heiß, leider birgt das Erwachen eine Überraschung. Wir haben eine Maus im Auto, die sich nachts an unseren Vorräten zu schaffen gemacht hat und die, sobald man sie zu fangen versucht, in die vordere Innenraumverkleidung unseres Autos flüchtet. Ich habe Mäuse noch nie so sehr verflucht.

Als wir aufbrechen, um mal wieder etwas Stecke zurück zu legen, geht nach den ersten hundert Metern mit lautem Geratter unsere Klimaanlage kaputt und es ist als würde der Tag mit allen Mitteln versuchen, ein besonders schrecklicher zu werden. Wir sind uns sehr schnell einig, dass wir nicht auf die Idee kommen, unseren Weg zum Uluru ohne funktionierende Klimaanlage fortzusetzen. Es ist Samstagmittag und der neue Plan lautet, sich einen Ort am Meer zu suchen, um dort die Zeit bis Montag zu verbringen und dann hoffentlich eine Werkstatt zu finden, in der wir unsere Klimaanlage günstig reparieren lassen können. Den weiteren Tag verbringen wir in dem kleinen Küstenort "Streaky Bay", der zugegeben sehr schön ist. Helge sagt treffend "Die Hitze macht die Welt sehr klein. Man hat sein kleines Fleckchen Schatten, das man auf keinen Fall verlassen darf. Und wenn doch, dann nur um gradlinig zum Wasser zu laufen". Das stimmt. Es ist so heiß, dass ich mich frage, wie ich das länger als einen Tag aushalten soll. Zum Glück (!!!) bringt der nächste Tag kühleres Wetter.

Kleines Nachwort

Man möge es nicht glauben, aber der Defekt an unserer Autoklimatisierung lag tatsächlich an zwei (!) toten Mäusen, die sich im Ventilator verhangen hatten. Das ist aus unserer Sicht der beste Grund, den es für den Defekt geben kann, weil er - sobald erkannt- sehr schnell und ohne Kosten behoben war. Leider raschelt es immer noch in unserem Auto und nach einer längeren, erfolglosen Mausefangaktion gestern Abend, fahren wir nun schwerere Geschütze auf und haben uns eine Mausefalle besorgt. Das Wetter ist generell ein bisschen kühler (der heiße Tag war wohl eine Ausnahme) und wir finden es gut, zwei Tage in Streaky Bay verbracht zu haben. Immerhin konnten wir so eine Seelöwenkolonie bestaunen, in "Smooth Pool" (einem vom Meer abgetrennten Becken, mit vielen Fischen) schnorcheln und ein paar Delphine aus der Ferne beobachten. Morgen geht es, wenn alles nach Plan läuft, weiter.


Die Wüste "Nullarbor". Hier gibt es sogar Kamele :o

Immer wieder sind Straßenabschnitte als Landebahn für den "Flying Doc" gekennzeichnet. "Wenn ihr ein Flugzeug landen seht" heißt es "dann wisst ihr das Jemand einen wirklich schlimmen Unfall hatte"

2/11/2015

Hommage an Dome

Das Café Dome ist also zu einem dieser Plätze für uns geworden, bei dem man meint, ihn in- und auswendig zu kennen. So ein Ort, an dem man so viel Zeit verbringt, dass es einem manchmal so vorkommt, als würde sein eigentliches Zuhause, in dem, mit viel Holz, Spiegeln und braunen Ledersesseln eingerichteten Raum, mit der großen Kaffeetheke in der Mitte, liegen. Und man hat schon ein bisschen dort gelebt, weil man frohe Tage hatte, resignierte Tage, stolze Momente und unangenehme Missgeschicke. Es bleibt etwas von dem Monat Kellner-Arbeit zurück und zu dem Namen "Dome" hat sich das Gehirn eine neue Verknüpfung überlegt. Ich habe entdeckt, dass ich mich in schwarz-weiße Schürzenuniform "hineinlebe" und dass ich, wenn ich mich zwischen den Aufgabenfeldern Essen servieren, Tisch abräumen, abwaschen und Kaffee servieren entscheiden kann, immer den Kaffee wählen würde. Weil ich dann für einen kurzen Moment tief einatmen und den wunderbaren Kaffeeduft riechen kann. Wenn wir jetzt weiterreisen, wird es vielleicht den einen oder anderen Morgen geben, an dem ich mich frage, warum mir heute eigentlich noch keiner die Frage "Liebe Kira, wie geht es dir Heute?" gestellt hat, wie es eine unserer Kolleginnen für gewöhnlich tat, um von mir die Antwort "Ausgezeichnet, und dir?", zu hören zu bekommen.

An sehr geschäftigen Tagen konnten einem vor lauter Caféarbeit schon mal wortwörtlich "die Ohren klingeln", denn jeder fertige Kaffee und jedes fertige Gericht was zum Servieren bereit stand, wurde dem Personal mit einem Klingeln angekündigt. Spätestens nach der ersten 6 Stunden Schicht hatte sich das Kellnerohr so sehr auf das Klingeln fixiert, dass es im Café noch so laut sein konnte, das Geräusch der Glocke hörte man durch den größten Lärm und aus der weitesten Entfernung. An manchen Tagen selbst auf dem Heimweg noch.

Und wahre Glücksmomente waren solche, in denen die Küche oder die Kaffeetheke einen Fehler machte und man ganz unerwartet mit Eiskaffee, Muffin oder Eiscreme gesegnet wurde. Zwischen Dome Kollegen teilt man brüderlich. Manchmal sogar das, was man sich zur Schichtpause in der Brotdose von Zuhause mitgenommen hat.

Heute geht unsere Reise weiter, Richtung heißer Wüste, dem "Nullarbor". Heute brechen wir unsere Lager ab und es heißt "Auf Wiedersehen" an alles was wir hier kennen gelernt haben. Und ein dickes Dankeschön, es war schön hier. :)


Das Foto nach dem wir am meisten gefragt wurden

2/04/2015

Eine kurze Begegnung



 
Keine Fotos - alles was ich schreibe, müsst ihr mir einfach so glauben, oder eben nicht.

Solange wir noch einen Job in Esperance haben und sozusagen hier ansässig sind, ist unser weitestes Reiseziel der Nationalpark Cape le Grande, in dem auch die Bucht "Lucky Bay" liegt. 50 km von Esperance entfernt, ist er mit Abstand das Schönste, was es hier in der Gegend zu sehen gibt und vielleicht auch einer der schönsten Plätze überhaupt. Unsere letzten beiden freien Tage haben wir mal wieder in Lucky Bay verbracht, aber darum geht es hier eigentlich gar nicht.

Viel ereignisreicher war unsere Rückfahrt durch den Nationalpark, auf der wir einen kleinen Abstecher zur Bucht "Hellfire Bay" machten. Zunächst gar nicht so sicher, ob wir da jetzt noch hin fahren wollen - schließlich waren wir heute schon schwimmen - haben wir schließlich doch den kleinen, zum Glück asphaltierten, Abzweig zur Bucht genommen und uns mit unseren Schwimmsachen und Schnorcheln auf den Weg zum Wasser gemacht. Hellfire Bay hat, wie eigentlich jeder Strand in Esperance und Cape le Grande, so türkises Wasser, dass es einen immer wieder neu zum Staunen bringt und Sand wie Schnee - weiß und puderig. Als wir den Strand entlang gehen und gerade überlegen, wo wir unsere Handtücher deponieren wollen, spricht uns ein Mann an, der gerade vom anderen Ende der Bucht kommt. "Do you want to see dolphins?" Seiner Beschreibung folgend, laufen wir den Strand entlang bis zum Ende und als wir das letzte Drittel der Bucht erreichen, sieht Helge sie und kurz darauf auch ich. Mal blitzt hier eine Rückenflosse aus dem Wasser, mal eine Schwanzflosse dort. Von Euphorie gepackt fangen wir an zu rennen, bis wir am vom Strand aus nächsten Punkt zu den Delphinen stehen. Ungefähr vier bis fünf Tiere spielen in so flachem Wasser, dass es einem gerade mal bis zur Brust gehen würde. Wir ziehen uns Badesachen und Schnorchel an und gehen auch ins Wasser. Außer uns und den Delphinen ist weder am Strand, noch im Wasser, auch nur eine Menschenseele zu sehen. Bei mir geht alles relativ hektisch zu. "Da vorne sind Delphine im Wasser" denke ich, während ich versuche meine Taucherflossen auf einem Bein stehend anzuziehen und eine Welle mich umwirft. Trotzdem schaffe ich es relativ zügig und bin im Wasser mit den Flossen sehr schnell unterwegs. Es dauert nicht lange und ich bin den Tieren so nahe, dass ich sie mit meiner Taucherbrille ganz deutlich unter Wasser vor mir sehe. Ich habe ein bisschen Angst, als ich die vielen großen Tiere sehe und die gebogenen Rückenflossen und stelle mir vor, was ich machen würde, wenn das alles Haie wären. Aber der Gedanke ist sofort verschwunden, als ich den Delphinen plötzlich so nahe bin, dass ich sie berühren könnte, würde ich den Arm ausstrecken. Für eine kurze Zeit, eine Minute vielleicht schwimme ich neben ihnen, fast ein Teil der Gruppe. Dann entfernen sie sich ein Stück. Links von mir sehe ich zwei oder drei Delphine schräg in Richtung Strand schwimmen und ich ändere meine Richtung und schwimme auf sie zu. Unterwasser ist der hohe Ruf eines Delphins zu hören, kurz bevor die Dreiergruppe von mir verschreckt kehrt macht und wieder in Richtung Meer schwimmt. Das Wasser ist immer noch so flach, dass ich stehen kann und ich halte Ausschau nach Helge, den ich irgendwo in meiner Nähe wähne, aber unter Wasser nicht sehen kann. Helge ist ein gutes Stück weiter hinten als ich und als ich zu ihm schwimme, sagt er, dass es besser wäre nicht direkt auf die Delphine zu zu schwimmen, um sie nicht zu verscheuchen.

Wir schnorcheln noch ein bisschen durchs Wasser, doch die Delphine sind verschwunden. Erst jetzt wird mir klar, dass ich mich in meiner Euphorie wohl ein bisschen unvorsichtig und zu direkt vorgewagt und die Delphine verschreckt habe. Wieder an Land, kann ich es noch nicht glauben, so nah an der Gruppe Delphine gewesen zu sein und gleichzeitig tut es mir leid für Helge, der bei weitem nicht so viel von den Tieren gesehen hat wie ich. Hätte ich mich bedachter bewegt und mehr Abstand zu den Tieren gehalten, würden sie vielleicht immer noch im flachen Wasser spielen. Als wir die Situation kurz danach Revue passieren lassen, sind wir uns beide einig, ein bisschen überstürzt gehandelt zu haben. Gerade ein paar Tage vorher, hatten wir uns mit der australischen Familie, in deren Garten wir wohnen, über Delphine unterhalten und Jurg hatte erzählt, dass er schon öfter mit Delphinen geschnorchelt ist und meistens versucht, so nah wie möglich an die Tiere heran zu schwimmen. Nach unserer eigenen Erfahrung würden wir es nun aber trotzdem etwas ruhiger angehen und vielleicht erstmal eine Weile vom Strand aus beobachten, wenn wir das nächste Mal das Glück haben Delphinen im Meer so nahe zu sein.


Lucky Bay von Oben