1/21/2015

Milchkaffee und das Meer

 Während wir uns tagtäglich um innere Ausgeglichenheit und Balance bemühen und diese vorzugsweise durch das halten von zwei vollen Kaffeetassen in beiden Händen, dabei elegant laufen und Ausschau nach der richtigen Tischnummer halten, trainieren, haben wir einen Platz zum Wohnen gefunden. Wir sind den teuren Campingplätzen und dem eigentlich verbotenen Wildcampen nicht mehr ohne Alternative ausgeliefert, weil wir seit zwei Wochen Teilzeitmitglieder einer Familie sind, in deren Garten wir campen. Eine Familie, die Besuch aus aller Welt schätzt - unser Vorteil, das wir gerade aus aller Welt kommen - und Reisende gegen ein bisschen Hilfe in Haus, Hof und Garten für ein paar Wochen Teil der Familie sein lässt. Weil Teil der Familie, Gästezimmerbewohner und in Haus, Hof und Garten Helfer aber schon ein Italiener und ein Franzose sind, wurden wir nach ein bisschen hin- und her-überlegen, als Dauercamper in den Garten eingeladen. Seitdem gibt es morgens Milchkaffe, wenn der Wunsch danach ist. Manchmal ein bisschen Arbeit, wenn wir zwischen unseren Schichten bei Dome Zeit dafür haben und demnach auch manchmal ein bisschen Essen. Aber auf jeden Fall eine Menge Gesellschaft von vielen unterschiedlichen Leuten und Tipps und Erfahrungen über das Reisen in Australien.

Unsere Arbeitsstunden bei Dome sind jede Woche eine neue Überraschung, weil sich ständig ändert, wann und wie lange wir arbeiten. Insgesamt sind wir uns aber einig, dass wir gerne mehr Arbeitsstunden hätten.

Vor ein paar Tagen sind wir nach einer etwas längeren 6 Stunden Schicht zum Baden ans Meer gefahren, weil das heiße Wetter nach einer Abkühlung verlangt hat. Als wir so weit ins Wasser gewatet waren, dass es uns ungefähr bis zur Brust reichte, habe ich beschlossen, zum Strand zurück zu schwimmen, aber anstatt näher zum Ufer zu kommen, verlor ich mehr und mehr den Boden unter meinen Füßen. Helge und ich waren auf einmal weiter vom Ufer entfernt, als wir es vorgehabt hatten und der weitere Versuch, mit aller Kraft dem Strand entgegen zu schwimmen, machte nur deutlicher, dass wir in eine Strömung geraten waren. Helge ganz ruhig, ich aber in völliger Verzweiflung, versuchten wir irgendwie das Ufer zu erreichen. Aus Wellen, Strömung und Panik formte sich etwas zusammen, was mir die Kraft zum weiterschwimmen nahm. Mit Helges Hilfe schaffte ich es schließlich, mit ihm zusammen die Strömung zu kreuzen und langsam ans feste Ufer zurück zu schwimmen.

An manchen Stränden Australiens ist die Strömung tückisch. Am "West Beach" zum Beispiel, das wissen wir beide jetzt ziemlich gut. Es gibt einen großen Felsen, hinter den man aufs Meer hinaus gezogen wird, wenn man sich an der falschen Stelle im Wasser befindet. Ob alles okay mit uns ist, wurden wir von einer Frau gefragt, als wir im seichten Wasser auf dem Sand saßen, direkt nachdem wir Bekanntschaft mit den Meeresströmungen des "southern Ocean" gemacht hatten. Dass sie uns beobachtet hat und ein Surfer mit seinem Brett bereit war, uns aus dem Wasser zu holen, wenn es nötig gewesen wäre.

Gut zu erkennen in der Mitte: die Strömung die einen aufs Meer hinaus zieht.

1 Kommentar:

  1. Oh man, das ist ein echt mieses Gefühl! Kenn ich auch, sehn mich aber nicht danach.

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