1/10/2015

Lucky Bay

Alles fügt sich irgendwie und so soll es ja auch sein. So langsam hört die Zeit auf, in der man das Gefühl hat, eigentlich viel zu sehr mit ankommen, sich zurecht finden, sich um Dinge kümmern, beschäftigt zu sein, um auch nur einen wirklichen Gedanken daran zu verschwenden, an welchem Fleck der Erde man sich eigentlich gerade befindet. Und das ist gut so, denn jetzt gerade sind wir an einem sehr schönen Fleck angekommen. "Lucky Bay", eine Bucht mitten in einem Nationalpark mit einem sehr kleinen, aber hübschen Campingplatz. Das die Kängurus hier abends am Strand sitzen, hat sich schon weit herumgesprochen, und das Meerwasser ist türkisblau und der Sand fein und weiß und das witzige ist: Das alles stimmt. Der Teil mit den Kängurus stimmt sogar so sehr, dass ich auf dem Hinweg beinahe eins umgefahren hätte und wir gestern Abend eins dabei erwischten, wie es hungrig vor unserem Zelt saß und ziemlich wahrscheinlich gerade unser Essen klauen wollte. Generell kann man Kängurus aber nicht wirklich lange böse sein, dafür sind sie zu niedlich.

Wir machen hier gerade "Urlaub", weil wir drei freie Arbeitstage haben. Was auch schon gleich der nächste "alles fügt sich irgendwie"-Punkt wäre. Wir haben einen Job gefunden und wir sind uns beide einig, dass es der geilste ist, den wir hätten finden können- zumindestens bis jetzt. Unser Arbeitsplatz heißt "Dome" und ist eine Café Kette, die man sich ziemlich genau so vorstellen kann wie Starbucks. Und in dem Laden sind wir jetzt diejenigen, die Kaffee und Kuchen servieren, Tische abräumen, abwaschen und alle kleinen Aufgaben erledigen, die der ungestörte Ablauf eines Cafés sonst noch erfordert. Wir haben erst zwei Arbeitstage hinter uns und man könnte sagen, wir wachsen in den Job rein. Zumindestens sind wir mittlerweile über den Punkt hinaus, an dem man sich noch staunend mit der Aufgabe halb überfordert sah, jetzt einem englischsprachigen Kunden einen Kaffee zu servieren, dessen Namen (z.B. "Doubble shot flat white skim milk") man direkt nach dem ersten Hören wieder vergessen hatte. Und man die Aufgabe schließlich löste, indem man dem wartenden Kunden den Kaffee mit einem bedeutungsschweren "Ähäm" auf den Tisch stellte. Und nur um das Bild komplett zu machen: natürlich tragen wir beide die bei „Dome“ übliche Kellner Uniform, bestehend aus schwarzer Hose, weißem Hemd und Schürze. Und das Beste (kommt natürlich zum Schluss): Ein Kaffee pro Schicht ist frei. Und das ist wunderbar gut, weil Domekaffee genau so lecker und teuer ist, dass man ihn sich nur ganz selten gönnen würde. Wenn überhaupt.

Das Einzige, bei dem wir uns nicht so sicher sind, ob sich "Alles irgendwie fügt", ist der Kontakt zu anderen. Wir haben schon Leute getroffen und uns unterhalten, auch auf Englisch. Aber wir haben noch keine Gang gegründet, mit der wir halbe Nächte am Strand verbracht, stundenlang Karten gespielt oder das Gespräch unseres Lebens geführt haben. Aber wenn ich darüber länger nachdenke, komme ich meistens zu dem Schluss, dass das schon okay ist, man sich keinen Stress machen sollte krampfhaft soziale Kontaktknoten zu irgendwelchen Leuten knüpfen zu müssen und man auch einfach mal so gerade vor sich hin Leben darf und vor allem genießen, dass eigentlich alles läuft.
"ICH TU NUR WAS ICH LIEB, DER REST KOMMT VON ALLEIN" (Guaia Guaia)

 

 

Was Helge beim wandern am Strand findet

Kommentare:

  1. Ich würde ja gerne mal ein Foto von euch, in euren Uniformen sehen.
    Wozu soziale Kontakte, ihr habt doch euch.

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  2. Haha, ALLE wollen ein Foto von uns in Uniform sehen. Wir sehen aber auch einfach verdammt gut darin aus. ;) Kommt noch, kommt noch!

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