10/09/2014

Sláinte

Es ist an der Zeit von meinem abendlichen, mal mehr, mal weniger geheimen Pub-Leben zu berichten.
Skibbereen ist eine typisch west-irländische Kleinstadt. Es gibt nicht viel zu sehen, trotzdem kann man sie als „schön“ bezeichnen, sie ist touristisch und jedes zweite Gebäude ist ein Pub. Dort trinken die Iren ihr dunkles Guinnes Bier und nicht selten gibt es Musik. Gute Musik. 

An einem meiner ersten Abende hier hat Mona mich vor die Tür geschickt damit ich die irischen Pubs kennenlerne und ein paar Kontakte knüpfe. Wie sich später herausstellen sollte bin ich dann allerdings geradewegs in den aus ihrer Sicht schrecklichsten Pub gelaufen, den es in ganz Skibbereen zu finden gibt. Dort habe ich dann die Bekanntschaft von ein paar sehr trinkfesten Iren gemacht und ein einzigartiges wortloses Trinkabkommen nahm seinen Lauf. Weil ich das irische Bier verschmähe trinke ich 7up, um dessen Akzeptanz am Pubtresen ich zwar kämpfen musste, aber mittlerweile muss ich den Pub nur betreten und mir wird wortlos ein Glas 7up hingestellt. Um mit den bechernden Iren mitzuhalten trinke ich sehr viel 7up, mittlerweile bin ich wohl stolze Besitzerin eines kleinen 7up Bauches. Wer die immer bezahlt? Ich habe keinen blassen Schimmer und nur die stille Theorie, das die Pubgesellschaft heimlich für meine 7ups zusammen schmeißt. Wirklich bestellt und bezahlt habe ich jedenfalls nur das allererste Glas, seitdem wird ungefragt ständig nachgeliefert ohne das irgendwas von mir dafür erwartet wird. Es werden eine Menge Scherze gemacht im Pub. Jedes Mal wenn ich gefragt werde woher ich komme und was ich hier mache erzähle ich eine andere Geschichte. Mal komme ich aus Ägypten und rede zum Mond, mal aus Japan und habe 10 Kinder. Das gefällt den Iren, denn Geschichten erzählen können sie alle gut. Mit der Kommunikation fällt es mir allerdings nicht mit allen Iren so leicht. Besonders Mick beherrscht keine andere Sprache als das handfeste Irisch, was für mich nichts mehr mit Englisch gemein hat. Jedes Mal wenn Mick zu mir spricht kann ich höchstens an seinen Gesichtszügen versuchen zu erkennen was er wohl zu mir gesagt hat und entweder aufs Geratewohl antworten oder mich mit „ich kann dich nicht verstehen!“ zur Wahrheit bekennen. Darüber können wir zum Glück beide lachen, was uns komplett wieder auf eine Wellenlänge bringt. Und immerhin das irische Wort für Prost ist mir mittlerweile bekannt: Slàinte.

Nur Mona wäre wohl ein bisschen geschockt, wenn sie wüsste, dass ich trotz ihres sehr eindringlich formulierten Ratschlags diesen schlechten Pub ab jetzt zu meiden und lieber die jüngeren, netteren Leute kennen zu lernen, häufig im ersten Pub meiner Wahl anzutreffen bin. 

Ich darf hinter dem Tresen stehen und so tun als würde ich ein Bier zapfen. Für das Foto :)

Kommentare:

  1. Heißt in Irland nicht: Glas leer, bitte nachschenken?

    AntwortenLöschen
  2. :D Liebe Mama, der Verdacht liegt nahe. Es heißt ins englische übersetzte aber so viel wie "health", also "Gesundheit".

    AntwortenLöschen
  3. Oh ja, auf dem Foto Sieht man auch ein Stück von deinem 7up Bauch ; )

    AntwortenLöschen
  4. Ach mist. Dabei stehe ich extra hinter dem Tresen damit man ihn nicht so sehr sieht.

    AntwortenLöschen