10/16/2014

Nichts ist gewöhnlich

Es ist sehr gut Clara und Alex um sich zu haben, die beiden Spanier. Denn wenn das ganze Haus nach Lavendel riecht und ich mit etwas ratlosem Blick vor der Badezimmertür stehe, hinter der seit geraumer Zeit das Wasser läuft und hinter der Tim sich wohl verschanzt hat, dann kann Clara mir zuflüstern „I think its some kind of meditation“ und bedeutungsvoll die Augenbrauen in die Höhe ziehen. Und wir können zusammen über die Kälte in unseren Räumen fachsimpeln und was man dagegen tun kann. Oder gemeinsam über die Bed&Breakfasts herziehen, bei denen wir gearbeitet haben bevor wir zu Tim kamen und die wir beide früher verlassen haben.
Im Grunde sind wir eine sehr internationale Familie. Irisch-deutsch-spanisch. Und ich habe festgestellt, dass ich sehr gerne zwei Spanische Geschwister habe. Es hat viele Vorteile, zum Beispiel super leckeres selbst gekochtes Essen, was aus unerfindlichen Gründen meistens Mexikanisch ist. Bei den täglichen Esstischgesprächen ist jeder von uns ungewollter Vertreter seines Landes. Das macht sich schon alleine in den Essensgewohnheiten bemerkbar. Mir gefällt das und nach 5 Tagen hier habe ich mich auch damit abgefunden, dass Alex jeden Morgen Tomaten auf seinem Brot zerreibt, oder das Tim Indische Gewürze in sein Porridge mischt. Das mit Tim und den indischen Gewürzen spiegelt sehr gut wieder, wie wir dann doch eben alle nur auf eine Art Vertreter unseres Landes sind. Tim ist in Irland geboren, würden wir weiter nach Landesspezifischen Klischees vorgehen wäre es überhaupt garnicht in Ordnung von Tim als Vertreter Irlands sich indische Gewürze in sein Porridge zu mischen. Er tut es aber, eines der vielen Dinge die er von seinen Reisen mitgebracht hat. „Nichts ist gewöhnlich“ sagt er oft, zum Beispiel wenn Alex ihn fragt ob er die Spanische Angewohnheit sich Tomaten auf seinem Brot zu zerreiben „ungewöhnlich“ findet. Genauso fange ich an ratlos zu gucken, wenn Clara mich unbedingt dazu bringen will etwas Deutsches für unsere multi-kulti Familie zu kochen. „ich weiß nicht was ich für euch kochen könnte“ sage ich. „Frankfurter“ schlägt Clara vor. „kenn ich“ sage ich, aber als ihre Augen schon begeistert zu leuchten beginnen muss ich gestehen noch nie in meinem Leben „Frankfurter“ probiert zu haben, geschweige denn sie kochen zu können.
Und noch etwas wird mir langsam immer deutlicher: Es ist nicht das Selbstverständlichste auf der Welt deutsch zu sein und nach deutschen Maßstäben zu denken und zu leben. Natürlich nicht, schließlich sind die meisten Menschen auf der Welt nicht deutsch. Trotzdem kann man manchmal leicht auf den Gedanken kommen, wenn man in Deutschland so vor sich hin lebt.

Unser erstes gemeinsam gekochtes Essen "Asiatische Nudeln" ;)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen