10/02/2014

Die Kunst des Losfahrens

Das Losfahren ist bei einer Reise nur der erste Schritt, aber es ist vielleicht der entscheidendste. Mal wieder ein schlauer Satz von einem meiner schlauen Freunde: „Es ist doch irgendwie alles das Gleiche. Egal ob man das erste Mal alleine weg fliegt oder mit dem Zug fährt. Vorher hat man Angst, aber wenn man losfährt dann wird alles gut.“ Wenn ich jetzt an Gestern denke und den Flug hier hin kommt er mir irgendwie ein bisschen komisch vor. Beide Male, als ich gestartet bin, sowohl von Berlin als auch von London musste ich kurz die Luft anhalten weil die Tatsache, dass es jetzt keine Möglichkeit mehr gibt irgendwie zu stoppen und umzudrehen für einen kurzen Moment sehr schwer auf mir lastete. Bis dann der Satz einer anderen schlauen Freundin in meinem Kopf auftauchte: „Ich bin gerade ganz alleine unterwegs. Geil, hab ich mir selbst so gemacht“. 


 Beim Landeanflug über Irland bin ich dann ein bisschen hibbelig in meinem Sitz herumgerutscht, weil ich einen Fensterplatz hatte und durch das von Eisblumen übersäte Flugzeugfenster das Meer sehen konnte und viele kleine Inseln. Steilküste, wie ich sie mir vorgestellt hatte und unglaublich grüne Landschaft. Das war der Moment, als ich den ersten Satz der Erkenntnis meiner Reise im Kopf hatte „Irland ist schön!“.
Vor dem Gepäckband zu stehen und auf meinen Rucksack zu warten mit dem Gedanken im Kopf, dass ich keinen blassen Schimmer habe wo ich diese Nacht schlafen soll, war dann wieder ein anderes Gefühl. Weil es zu spät Abends war um den Bus in das Dorf zu nehmen wo das Hostel liegt, in dem ich arbeiten würde, hatte ich mir vorher überlegt mir einfach mal nichts zu überlegen. Das mag für manche Menschen auch ein ungeklärter Wesenszug meiner Persönlichkeit sein. Einerseits die unglaublich große Angst vorm Reisen, die mich so oft schon davon abgehalten hat auf Reisen zu gehen, wenn ich es doch eigentlich wollte. Und andererseits die blauäugige Zuversicht, dass schon alles gut werden wird und sich irgendwas ergibt was dann auf eine seltsame Art perfekt passt, wie in der jetzigen Situation mit dem Schlafplatz.
Ich kürze die ganze Geschichte ein bisschen ab und erzähle nur, dass ich die Freundlichkeit der Irländer schon jetzt unvergleichbar finde und mit Hilfe von ein paar netten Menschen den Weg zu einem Hostel gefunden habe. Ein paar Blicke auf das nächtliche Cork konnte ich dabei schon werfen, die ich mit „Fluss, Brücke und schöne Lichter“ beschreiben würde.
In dem Hostel hingen überall Gitarren an den Wänden und alles war aus Holz. Die Frau an der Rezeption sagt mir, dass wir mich schon irgendwo unterkriegen und ich mir keine Sorgen machen soll. Als sie hört das ich in Irland bin um auch in einem Hostel zu arbeiten berechnet sie mir nur 10 Euro für die Nacht statt der üblichen 17. Als ich irritiert „warum das denn?“ frage kriege ich den zweiten Satz der Erkenntnis meiner Reise aufgetischt: „Wenn die Jemand etwas günstiger gibt, dann bedanke dich und gehe. Wenn er dir mehr berechnet, dann frag 'warum?'“. 

Cork bei Nacht


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