10/20/2014

Baby Hanna's


LIVE MUSIC, 5 Nights A Week - Every Week
Die Musik in Irland ist großartig. Hab ich schon gesagt, ich weiß. Kann man nicht oft genug sagen. Ich habe das Gefühl jeder Mensch in Irland ist wenigstens ein bisschen musikalisch, oder hat zumindest ein Gefühl für die Musik die gespielt wird. Ich hatte mit Skibbereen das Glück eine Zeit lang in einer kleineren Stadt Irlands zu wohnen, die voll mit Pubs ist, in denen Abends irische Musik gespielt wird, oder Jamsessions stattfinden bei denen Jeder mitmischen kann. Und zwar nicht zur Touristenbelustigung, wie man es vielleicht in Dublin finden würde, sondern als fester Bestandteil von Kultur und Tradition. Einer der Pubs heißt Baby Hanna's und wo ich schon mal mit meiner Gitarre in Irland bin, habe ich sie mit zu einer Jamsession genommen. Mit einer Gitarre in einen Irischen Pub zu kommen hat leider den Nachteil, dass man nicht wirklich unauffällig bleiben kann, egal wie klein man sich macht. Den halben Abend habe ich dann damit verbracht mit schüttelndem Kopf auf einem Barhocker zu sitzen und der Musik zu lauschen, weil ständig ein anderer Mensch versuchte, mich abwechselnd mit Schulterklopfen oder wilden Gesten zum Musik machen zu bewegen. Was mit den Menschen im Pub passiert sobald Musik gespielt wird ist ein kleines Phänomen. Bei manchen Liedern hat man das Gefühl jeder singt auf seine Art mit. Kein Kneipengesang, nicht im geringsten. Viel mehr ein mehrstimmiger Gesang mit vielen verschiedenen Tönen, der sich ziemlich gut anhört. Als es schon sehr spät am Abend war und viele der Gäste den Pub bereits verlassen hatten habe ich mich schließlich dazu durchringen lassen eine Gitarre in die Hand zu nehmen und zu singen. Ein deutsches Lied, das „Zuhause“ heißt und vom Reisen und Ankommen erzählt. Es war plötzlich ganz still in dem kleinen Pub und ich habe mich selbst sehr laut singen gehört, mir plötzlich sehr deutlich dessen bewusst, dass Niemand auch nur ein Wort von dem versteht, was ich singe. Nach dem letzten Ton gab es Applaus und ich wurde von dem Bassisten der Pubgemeinschaft in ein Gespräch verwickelt in dem er mir einige Male eindrücklich zu verstehen gab, dass ich viel früher hätte mitsingen müssen. Als ich dann mit einer Gitarre in der Hand versuchte den Pub durch die Tür durch die ich ihn betreten hatte zu verlassen brach relative Panik aus und ich wurde vom Barmann hinaus begleitet. Erst nachdem er sich mit eigenen Augen vergewissert hatte, dass die Straße zu der der Hinterausgang führt leer war, wurde ich hinaus gelassen. Nach der Geste des Barmanns zu Urteilen sollte ich bitte schnell und Unauffällig meinen Weg nach Hause finden. Der Grund für den Aufwand war die Uhrzeit. Um 12 Uhr Nachts hat Baby Hanna's seine Türen zu schließen und die Gäste loszuwerden. Das diese Regel an Musikabenden in stillem Einverständnis gebrochen wird ist selbstverständlich. Nur die örtliche Polizei darf davon nichts wissen.
Einige Zeit später war ich auch mit Tim und den beiden Spaniern in einem Pub in Limerick in dem Musik gespielt wurde. Genauso gut. Besonders beeindruckt hat mich mit welcher Eindrücklichkeit sich das Publikum gegenseitig mit energischem „Pschhhht!!“ vor einem besonders guten Lied zu Ruhe und Aufmerksamkeit ermahnt.
Geht man durch eine irische Stadt, werden einem überall Straßenmusikanten begegnen und auf jedem Markt gibt es Leute die Musik machen. Die Musikkultur Irlands gefällt mir sehr. Und ich konnte es einfach nicht mit mir Selbst vereinbaren mit meiner Gitarre in Irland gewesen zu sein, ohne wenigstens ein Mal Straßenmusik zu machen. Also habe ich mich Heute zum „busking“ in Corks Straßen begeben. Die stolze Ausbeute: 17,87 € und ein Buch über Vampiere, natürlich auf Englisch.

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