10/26/2014

Goodbye


Irland ist das Land meiner Träume, wie es warscheinlich jedes Land ist, sobald ich einmal angefangen habe es zu bereisen. Die Landschaft Irlands ist wunderschön, seine Steilküste, die Menschen, die Musik. Mein ganzer Bauch, mein Kopf, mein Herz ist voll mit Irland und das ist ein gutes Gefühl. Ein sehr zufriedenens, mit einem Lächeln auf den Lippen das so schnell nicht mehr verschwindet. Ich nehm es mit nach Deutschland, vielleicht können die Menschen dort die Spuhr von Steilküstenmeersalzschaumkrone auf meinen Lippen erkennen.
Hab ich euch schon erzählt, dass der Himmel in Irland ganz anders ist? Viel weiter. Irgendwie viel mehr Himmel als da wo ich herkomme und manchmal bekommt er abends rote oder goldenen Schattierungen. Und das die Wiesen hier viel wilder sind. Mit braunem langen Gras, das noch ein bisschen nach dem vergangenen Sommer riecht.
Ich weiß genau, dass ich mich im Spiegel angucken werde, sobald ich wieder zuhause bin. Ein bisschen länger als normalerweise. Und ich selbst werde eine ganz leichte Spuhr Veränderung in meinem Gesicht erkennen, die vielleicht niemand anderem auffällt, aber die mich glücklich macht. Und dann werde ich wieder Zuhause sein mit dem Gefühl alles ist wie immer, aber Nichts wie es vorher war.
Es wird Zeit sich von Irland zu verabschieden, aber noch lange nicht vom durch die Welt reisen. Das hat gerade erst Angefangen, denn wärend ich in Irland war habe ich den Flug nach Australien gebucht. Und diesmal nicht drei Wochen, sondern 6 Monate.

10/20/2014

Baby Hanna's


LIVE MUSIC, 5 Nights A Week - Every Week
Die Musik in Irland ist großartig. Hab ich schon gesagt, ich weiß. Kann man nicht oft genug sagen. Ich habe das Gefühl jeder Mensch in Irland ist wenigstens ein bisschen musikalisch, oder hat zumindest ein Gefühl für die Musik die gespielt wird. Ich hatte mit Skibbereen das Glück eine Zeit lang in einer kleineren Stadt Irlands zu wohnen, die voll mit Pubs ist, in denen Abends irische Musik gespielt wird, oder Jamsessions stattfinden bei denen Jeder mitmischen kann. Und zwar nicht zur Touristenbelustigung, wie man es vielleicht in Dublin finden würde, sondern als fester Bestandteil von Kultur und Tradition. Einer der Pubs heißt Baby Hanna's und wo ich schon mal mit meiner Gitarre in Irland bin, habe ich sie mit zu einer Jamsession genommen. Mit einer Gitarre in einen Irischen Pub zu kommen hat leider den Nachteil, dass man nicht wirklich unauffällig bleiben kann, egal wie klein man sich macht. Den halben Abend habe ich dann damit verbracht mit schüttelndem Kopf auf einem Barhocker zu sitzen und der Musik zu lauschen, weil ständig ein anderer Mensch versuchte, mich abwechselnd mit Schulterklopfen oder wilden Gesten zum Musik machen zu bewegen. Was mit den Menschen im Pub passiert sobald Musik gespielt wird ist ein kleines Phänomen. Bei manchen Liedern hat man das Gefühl jeder singt auf seine Art mit. Kein Kneipengesang, nicht im geringsten. Viel mehr ein mehrstimmiger Gesang mit vielen verschiedenen Tönen, der sich ziemlich gut anhört. Als es schon sehr spät am Abend war und viele der Gäste den Pub bereits verlassen hatten habe ich mich schließlich dazu durchringen lassen eine Gitarre in die Hand zu nehmen und zu singen. Ein deutsches Lied, das „Zuhause“ heißt und vom Reisen und Ankommen erzählt. Es war plötzlich ganz still in dem kleinen Pub und ich habe mich selbst sehr laut singen gehört, mir plötzlich sehr deutlich dessen bewusst, dass Niemand auch nur ein Wort von dem versteht, was ich singe. Nach dem letzten Ton gab es Applaus und ich wurde von dem Bassisten der Pubgemeinschaft in ein Gespräch verwickelt in dem er mir einige Male eindrücklich zu verstehen gab, dass ich viel früher hätte mitsingen müssen. Als ich dann mit einer Gitarre in der Hand versuchte den Pub durch die Tür durch die ich ihn betreten hatte zu verlassen brach relative Panik aus und ich wurde vom Barmann hinaus begleitet. Erst nachdem er sich mit eigenen Augen vergewissert hatte, dass die Straße zu der der Hinterausgang führt leer war, wurde ich hinaus gelassen. Nach der Geste des Barmanns zu Urteilen sollte ich bitte schnell und Unauffällig meinen Weg nach Hause finden. Der Grund für den Aufwand war die Uhrzeit. Um 12 Uhr Nachts hat Baby Hanna's seine Türen zu schließen und die Gäste loszuwerden. Das diese Regel an Musikabenden in stillem Einverständnis gebrochen wird ist selbstverständlich. Nur die örtliche Polizei darf davon nichts wissen.
Einige Zeit später war ich auch mit Tim und den beiden Spaniern in einem Pub in Limerick in dem Musik gespielt wurde. Genauso gut. Besonders beeindruckt hat mich mit welcher Eindrücklichkeit sich das Publikum gegenseitig mit energischem „Pschhhht!!“ vor einem besonders guten Lied zu Ruhe und Aufmerksamkeit ermahnt.
Geht man durch eine irische Stadt, werden einem überall Straßenmusikanten begegnen und auf jedem Markt gibt es Leute die Musik machen. Die Musikkultur Irlands gefällt mir sehr. Und ich konnte es einfach nicht mit mir Selbst vereinbaren mit meiner Gitarre in Irland gewesen zu sein, ohne wenigstens ein Mal Straßenmusik zu machen. Also habe ich mich Heute zum „busking“ in Corks Straßen begeben. Die stolze Ausbeute: 17,87 € und ein Buch über Vampiere, natürlich auf Englisch.

10/19/2014

The Cliffs of Moher


Es gibt Orte auf der Welt, an denen geht man einfach vorbei ohne ihnen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Von diesen Orte bleibt einem nicht viel im Gedächtnis haften. Und dann gibt es Orte, an denen man nicht vorbei gehen kann ohne stehen zu bleiben. Ein bisschen magisch vielleicht, wenn man an übernatürliches glaubt. Oder einfach besonders schön. Die "Cliffs of Moher" gehören dazu und sie sind berühmt dafür.


"Der Wind hat eine gewaltige kraft" sagt Tim zu uns als wir an der unvorstellbar steilen Felskante stehen. "Nicht das ihr Angst haben müsstet, seid euch einfach dessen bewusst"




Weniger berühmt und nicht so sehr von Touristen belagert, aber mindestens genau so magisch ist der Burren Irlands. Viel kalkreicher Fels, der Naturgeschützt ist, weil in seinen Felsspalten seltene Pflanzen ihren Platz zum wachsen finden. "Mondlandschaft" habe ich das surreale Gebiet des Burrens insgeheim getauft. Ich mag das Gefühl von Stein zu Stein zu hüpfen und aus einem unbestimmten Gefühl heraus frage ich Tim plötzlich: "Leben hier Kobolde?" Er nickt mit ernsthaft gerunzelter Stirn "oh ja, eine Menge. Es ist in Ordnung das wir hier sind, aber wir sollten den Burren so lassen wie er ist."



10/16/2014

Nichts ist gewöhnlich

Es ist sehr gut Clara und Alex um sich zu haben, die beiden Spanier. Denn wenn das ganze Haus nach Lavendel riecht und ich mit etwas ratlosem Blick vor der Badezimmertür stehe, hinter der seit geraumer Zeit das Wasser läuft und hinter der Tim sich wohl verschanzt hat, dann kann Clara mir zuflüstern „I think its some kind of meditation“ und bedeutungsvoll die Augenbrauen in die Höhe ziehen. Und wir können zusammen über die Kälte in unseren Räumen fachsimpeln und was man dagegen tun kann. Oder gemeinsam über die Bed&Breakfasts herziehen, bei denen wir gearbeitet haben bevor wir zu Tim kamen und die wir beide früher verlassen haben.
Im Grunde sind wir eine sehr internationale Familie. Irisch-deutsch-spanisch. Und ich habe festgestellt, dass ich sehr gerne zwei Spanische Geschwister habe. Es hat viele Vorteile, zum Beispiel super leckeres selbst gekochtes Essen, was aus unerfindlichen Gründen meistens Mexikanisch ist. Bei den täglichen Esstischgesprächen ist jeder von uns ungewollter Vertreter seines Landes. Das macht sich schon alleine in den Essensgewohnheiten bemerkbar. Mir gefällt das und nach 5 Tagen hier habe ich mich auch damit abgefunden, dass Alex jeden Morgen Tomaten auf seinem Brot zerreibt, oder das Tim Indische Gewürze in sein Porridge mischt. Das mit Tim und den indischen Gewürzen spiegelt sehr gut wieder, wie wir dann doch eben alle nur auf eine Art Vertreter unseres Landes sind. Tim ist in Irland geboren, würden wir weiter nach Landesspezifischen Klischees vorgehen wäre es überhaupt garnicht in Ordnung von Tim als Vertreter Irlands sich indische Gewürze in sein Porridge zu mischen. Er tut es aber, eines der vielen Dinge die er von seinen Reisen mitgebracht hat. „Nichts ist gewöhnlich“ sagt er oft, zum Beispiel wenn Alex ihn fragt ob er die Spanische Angewohnheit sich Tomaten auf seinem Brot zu zerreiben „ungewöhnlich“ findet. Genauso fange ich an ratlos zu gucken, wenn Clara mich unbedingt dazu bringen will etwas Deutsches für unsere multi-kulti Familie zu kochen. „ich weiß nicht was ich für euch kochen könnte“ sage ich. „Frankfurter“ schlägt Clara vor. „kenn ich“ sage ich, aber als ihre Augen schon begeistert zu leuchten beginnen muss ich gestehen noch nie in meinem Leben „Frankfurter“ probiert zu haben, geschweige denn sie kochen zu können.
Und noch etwas wird mir langsam immer deutlicher: Es ist nicht das Selbstverständlichste auf der Welt deutsch zu sein und nach deutschen Maßstäben zu denken und zu leben. Natürlich nicht, schließlich sind die meisten Menschen auf der Welt nicht deutsch. Trotzdem kann man manchmal leicht auf den Gedanken kommen, wenn man in Deutschland so vor sich hin lebt.

Unser erstes gemeinsam gekochtes Essen "Asiatische Nudeln" ;)

10/15/2014

All die Orte auf der Welt

Es wurde Zeit zu gehen, als Mona in einem Gespräch in dem ich versuchte anzusprechen, dass es für mich problematisch ist mehr Stunden arbeiten zu müssen weil ich zu langsam bin, mit dem Satz „you are wasting my time“ reagierte. Ich brauche ihn nicht zu übersetzen. Eindeutig ist: sie wollte mir nicht zuhören. Eigentlich war es schon Zeit zu gehen, als ich anfing jeden Morgen mit einem unguten Gefühl aufzustehen und immer weniger zu essen, weil der Satz „es ist zu teuer das Essen für dich zu bezahlen, wenn du so langsam arbeitest“ wie ein Warnschild in meinen Gehirnwindungen festsaß. Eines Morgens habe ich plötzlich realisiert, dass Mona eine Person ist, die es tatsächlich geschafft hat mich glauben zu lassen ich hätte Grund mich schlecht, klein und unbedeutend zu fühlen wenn ich Morgens aufstehe und die Arbeit beginne. Das war beim Geschirr abwaschen. Und ich musste plötzlich lachen, weil ich so klar vor Augen hatte, was für eine dicke fette Lüge das ist. Und dann habe ich angefangen zu singen, weil nichts in der Welt mich davon abhalten kann zu singen wenn ich das Geschirr abwasche.
Dann hat es mich ein bisschen Überwindung gekostet mich dazu zu entschließen einfach den Mona-Ort zu verlassen und irgendwo anders hin zu gehen. Wo auch immer. Die Freiheit zu gehen wann immer es einem beliebt auch zu nutzen ist manchmal nicht so einfach wie sie einfach zu haben. Gebrauch von seiner Freiheit zu machen ist aber ein gutes Gefühl kann ich nun aus Erfahrung berichten und ich glaube wenn man einmal dazu in der Lage war seine Freiheit zu nutzen ist es ein bisschen einfacher es auch ein zweites Mal zu tun.
Meinen letzten Arbeitstag lang war Mona sehr nett zu mir. So eine Art Nettigkeit bei der man nicht genau weiß, ob sie vielleicht einen Hintergedanken hat. „Alles passiert aus einem Grund“ hat sie an diesem Tag gesagt und zu diesem Satz konnte ich nur nicken und schief lächeln.
Mein nächstes „Zuhause“, selbstverständlich mit inbegriffenem Arbeitsplatz, sollte Tim sein. Und ich bin mir nicht sicher ob man an einen Ort gehen kann, der noch viel unterschiedlicher zu Monas „Bridge House“ ist. Tim lebt alleine, hat aber immer mindestens zwei Wokawayer bei sich einquartiert (in der Zeit die ich Dort verbringen sollte die beiden Spanier Alex und Clara). Er baut sein eigenes Gemüse in seinem riesigen Garten an und wohnt mitten auf dem Land. Es gibt im Moment kein Internet, schlechten Empfang und keine Heizung. Dafür aber ausgedehnte Mahlzeiten nach denen man noch lange am Tisch sitzt und über alles redet. Waldorfschule, das Franco Regime, Reisen, orangenen Käse... Und es wird viel gelacht, Abends oft gespielt manchmal ein Film geguckt. Die Arbeit ist eher körperlich. Garten umgraben statt staubsaugen und wischen. 

Seltsamerweise habe ich nach zwei Wochen das Gefühl halb Irland gesehen zu haben. Vielleicht stimmt das auch, Irland ist nicht so groß, in zwei der vier großen Städte bin ich bereits gewesen, Cork und Limerick. Und ich kenne die wunderschöne Westküste.

tausche gemütliches Zimmer mit Doppelbett...

...gegen leider etwas kälteres Zimmer in aber freundlichem Haus

10/12/2014

Roadtrip mit Niall




Wenn Mona mir einen Tag frei gibt, gehe ich auf Tour. Am Donnerstag hatte ich frei und eigentlich wollte ich nach Baltimor trampen. Das habe ich dann aber nicht getan.

Niall ist einer jener Iren, deren Bekanntschaft ich in einem von Skibbereens Pubs gemacht habe. Er ist nicht ansatzweise mein Alter. Wenn man ihn fragt, was er in seiner Freizeit tut erzählt er von Irischem Bier, seinen Kindern und Dart. (Dart erfreut sich übrigens komischerweise eines sehr hohen Beliebtheitsgrads in Irland.. aber das ist eine andere Geschichte.) Unsere Interessensgebiete sind also nicht wirklich die selben und die Welten in denen wir leben erst recht nicht. Trotzdem verstehe ich mich mit Niall sehr gut, was vielleicht auch daran liegt, dass er richtiges Englisch und kein Irisch spricht und es für mich ein echtes Erfolgserlebnis ist jemanden mal wieder „problemlos“ zu verstehen. Niall bot jedenfalls an mich an besagtem freien Tag mit auf einen Roadtrip zu nehmen und mir sein Land zu zeigen. Ich habe an diesem Tag so wunderschöne Orte gesehen, Berge, Seen, Städte, Klippen und natürlich das Meer. Ein ganzer Tag „on the Road“ mit einem Besuch der Steilküste Baltimors, wo ich kurz innehalten und einfach nur da sitzen musste. Da war Wind, da war Gras das man riechen konnte, Kühe, kleine Pfützen in der Wiese und natürlich das unendlich weite Meer. Ich habe mich im Schneidersitz direkt an die Kante der Klippen gesetzt und Niall, der zum Weiterfahren drängte, um ein paar Minuten mehr gebeten.

Ein Roadtrip ist grandios.. Man sieht sehr viel. An manchen Orten allerdings kann man nicht kurz stehen bleiben, ein Foto machen und dann weiter ziehen. Man muss sich Zeit nehmen die Luft zu atmen, vielleicht kurz die Augen schließen und den Wind auf der Haut zu spüren. Das ist wichtig, sonst kann es passieren, dass man den ganzen Tag unterwegs war und doch an keinem Ort. 





 

10/09/2014

Sláinte

Es ist an der Zeit von meinem abendlichen, mal mehr, mal weniger geheimen Pub-Leben zu berichten.
Skibbereen ist eine typisch west-irländische Kleinstadt. Es gibt nicht viel zu sehen, trotzdem kann man sie als „schön“ bezeichnen, sie ist touristisch und jedes zweite Gebäude ist ein Pub. Dort trinken die Iren ihr dunkles Guinnes Bier und nicht selten gibt es Musik. Gute Musik. 

An einem meiner ersten Abende hier hat Mona mich vor die Tür geschickt damit ich die irischen Pubs kennenlerne und ein paar Kontakte knüpfe. Wie sich später herausstellen sollte bin ich dann allerdings geradewegs in den aus ihrer Sicht schrecklichsten Pub gelaufen, den es in ganz Skibbereen zu finden gibt. Dort habe ich dann die Bekanntschaft von ein paar sehr trinkfesten Iren gemacht und ein einzigartiges wortloses Trinkabkommen nahm seinen Lauf. Weil ich das irische Bier verschmähe trinke ich 7up, um dessen Akzeptanz am Pubtresen ich zwar kämpfen musste, aber mittlerweile muss ich den Pub nur betreten und mir wird wortlos ein Glas 7up hingestellt. Um mit den bechernden Iren mitzuhalten trinke ich sehr viel 7up, mittlerweile bin ich wohl stolze Besitzerin eines kleinen 7up Bauches. Wer die immer bezahlt? Ich habe keinen blassen Schimmer und nur die stille Theorie, das die Pubgesellschaft heimlich für meine 7ups zusammen schmeißt. Wirklich bestellt und bezahlt habe ich jedenfalls nur das allererste Glas, seitdem wird ungefragt ständig nachgeliefert ohne das irgendwas von mir dafür erwartet wird. Es werden eine Menge Scherze gemacht im Pub. Jedes Mal wenn ich gefragt werde woher ich komme und was ich hier mache erzähle ich eine andere Geschichte. Mal komme ich aus Ägypten und rede zum Mond, mal aus Japan und habe 10 Kinder. Das gefällt den Iren, denn Geschichten erzählen können sie alle gut. Mit der Kommunikation fällt es mir allerdings nicht mit allen Iren so leicht. Besonders Mick beherrscht keine andere Sprache als das handfeste Irisch, was für mich nichts mehr mit Englisch gemein hat. Jedes Mal wenn Mick zu mir spricht kann ich höchstens an seinen Gesichtszügen versuchen zu erkennen was er wohl zu mir gesagt hat und entweder aufs Geratewohl antworten oder mich mit „ich kann dich nicht verstehen!“ zur Wahrheit bekennen. Darüber können wir zum Glück beide lachen, was uns komplett wieder auf eine Wellenlänge bringt. Und immerhin das irische Wort für Prost ist mir mittlerweile bekannt: Slàinte.

Nur Mona wäre wohl ein bisschen geschockt, wenn sie wüsste, dass ich trotz ihres sehr eindringlich formulierten Ratschlags diesen schlechten Pub ab jetzt zu meiden und lieber die jüngeren, netteren Leute kennen zu lernen, häufig im ersten Pub meiner Wahl anzutreffen bin. 

Ich darf hinter dem Tresen stehen und so tun als würde ich ein Bier zapfen. Für das Foto :)

10/07/2014

Irland erobern


Auf Monas kleinem Hollandrad mit platten Reifen den "Wild atlantic way" entlang bis zur Steilküste.


Sehr farbenfroh, mit Blumen am Lenker und Monas pinkem Regenmantel.


Durch kleine Küstenstädte in denen man sich in einem Pub aufwärmen kann.


Das Meer sehen und ein kleines Gedicht schreiben:
 "Mein Herz singt ein bisschen. Kleine Lieder über stürmischen Seewind und die unvergleichbare Luft des Meeres. Wellenbrecherfelsen und ich könnte weinen, weil ich genau für jetzt gerade weiß: es ist alles okay. Hier gibt es Kopffrei-windböhen die ich ernten kann um mal wieder zu merken, was ich nochmal wollte."

Sturmkühen beim grasen zugucken.


Suchbild. Was versteckt sich hinter dem Berg? a) ein Elefant mit komischer Kopfform und langem Rüssel b) Garnichts. Nur ein gefleckter Stein oben drauf c) eine sehr gut getarnte Sturmkuh





"I am good at protecting people"


Das Bridge House. Sieht wunderschön aus von Außen ;)

Das erste Lebenszeichen von meinem Arbeitsplatz, aus dem einfachen kleinen Grund, dass es mir nicht so gut ging. Vor 4 Tagen bin ich angekommen im beschaulichen kleinen Skibbereen und habe Mona kennengelernt und natürlich das Bridge House, das kleine Bed&Breakfast in dem ich arbeite und das sie (alleine!) führt, mit eigenen Augen gesehen. Das war viel auf einmal und das ist es auch immernoch und das unwohle Gefühl in meinem Bauch schiebe ich einfach darauf.

Zunächst ein paar Worte über Mona. Ich kann sie schwer einschätzen und das macht meine Zeit hier im Moment vielleicht auch noch ein bisschen schwer. Was ich bis jetzt weiß ist, dass sie ziemlich straight ist, sowohl bei den Dingen die sie tut, als auch wie sie mit den Menschen um sich umgeht. Also mit mir. In den vier Tagen die ich bis jetzt hier gearbeitet habe habe ich schon zwei sehr direkte Ansagen a la „du bist die die für mich arbeitet und nicht umgekehrt“ kassiert. Mona verlangt das man mitdenkt, niemals sinnlos rumsteht und sie von sich aus fragt, was es noch zu tun gibt. Und das ist ja auch gut, das verstehe ich. Aber ich verstehe nicht, warum ich drei Stunden länger arbeiten muss als im Vorhinein festgelegt, weil sie der Meinung ist, ich würde zu langsam arbeiten. Ich verstehe das nicht, weil das nicht die Art ist mit Menschen umzugehen, die ich für gut halte und ich verstehe das nicht, weil ich mir wirklich Mühe gebe. Ich verstehe auch nicht, warum Mona mir sagt, dass es zu teuer für sie wird Essen für mich zu kaufen wenn ich weiter so langsam arbeite. Was ich esse sind nicht mal 10 Euro am Tag, was ich arbeite sind meistens 7 Stunden. Da ist das Essen selbst bei langsamer Arbeit lange ausgeglichen. Monas einzige Gehilfin zu sein ist eine Aufgabe für sich und zuerst dachte ich, dass es vielleicht eine gute Möglichkeit für mich ist zu lernen, wie ich selbst mit schwierigen Menschen unter schwierigen Bedingungen gut auskomme. Mittlerweile denke ich aber, dass die Situation vielleicht auch noch für etwas anderes gut sein könnte: zu lernen herauszufinden was das Beste für mich ist, mich in Selbstverantwortung zu üben und die Zeit hier vielleicht doch nicht „durchziehen“ zu müssen. Ich denke ich bleibe hier nicht ewig. Vielleicht werde ich noch ein bisschen in Irland herumreisen und vielleicht werde ich einen anderen Ort finden an dem ich bleiben 
kann. 

Mona würde ich dann zum Abschied sagen: „Du hast gesagt, dass du gut darin bist Menschen zu beschützen. Meine Angst vorm Reisen hatte aber niemals mit gefährlichen Städten, klaren Regeln oder dem Bedürfnis nach einer Führungsperson zu tun, sondern immer nur damit, vielleicht an einem Ort zu landen, an dem ich mich nicht wohlfühlen werde. Ich glaube du hast mich missverstanden“

10/02/2014

Die Kunst des Losfahrens

Das Losfahren ist bei einer Reise nur der erste Schritt, aber es ist vielleicht der entscheidendste. Mal wieder ein schlauer Satz von einem meiner schlauen Freunde: „Es ist doch irgendwie alles das Gleiche. Egal ob man das erste Mal alleine weg fliegt oder mit dem Zug fährt. Vorher hat man Angst, aber wenn man losfährt dann wird alles gut.“ Wenn ich jetzt an Gestern denke und den Flug hier hin kommt er mir irgendwie ein bisschen komisch vor. Beide Male, als ich gestartet bin, sowohl von Berlin als auch von London musste ich kurz die Luft anhalten weil die Tatsache, dass es jetzt keine Möglichkeit mehr gibt irgendwie zu stoppen und umzudrehen für einen kurzen Moment sehr schwer auf mir lastete. Bis dann der Satz einer anderen schlauen Freundin in meinem Kopf auftauchte: „Ich bin gerade ganz alleine unterwegs. Geil, hab ich mir selbst so gemacht“. 


 Beim Landeanflug über Irland bin ich dann ein bisschen hibbelig in meinem Sitz herumgerutscht, weil ich einen Fensterplatz hatte und durch das von Eisblumen übersäte Flugzeugfenster das Meer sehen konnte und viele kleine Inseln. Steilküste, wie ich sie mir vorgestellt hatte und unglaublich grüne Landschaft. Das war der Moment, als ich den ersten Satz der Erkenntnis meiner Reise im Kopf hatte „Irland ist schön!“.
Vor dem Gepäckband zu stehen und auf meinen Rucksack zu warten mit dem Gedanken im Kopf, dass ich keinen blassen Schimmer habe wo ich diese Nacht schlafen soll, war dann wieder ein anderes Gefühl. Weil es zu spät Abends war um den Bus in das Dorf zu nehmen wo das Hostel liegt, in dem ich arbeiten würde, hatte ich mir vorher überlegt mir einfach mal nichts zu überlegen. Das mag für manche Menschen auch ein ungeklärter Wesenszug meiner Persönlichkeit sein. Einerseits die unglaublich große Angst vorm Reisen, die mich so oft schon davon abgehalten hat auf Reisen zu gehen, wenn ich es doch eigentlich wollte. Und andererseits die blauäugige Zuversicht, dass schon alles gut werden wird und sich irgendwas ergibt was dann auf eine seltsame Art perfekt passt, wie in der jetzigen Situation mit dem Schlafplatz.
Ich kürze die ganze Geschichte ein bisschen ab und erzähle nur, dass ich die Freundlichkeit der Irländer schon jetzt unvergleichbar finde und mit Hilfe von ein paar netten Menschen den Weg zu einem Hostel gefunden habe. Ein paar Blicke auf das nächtliche Cork konnte ich dabei schon werfen, die ich mit „Fluss, Brücke und schöne Lichter“ beschreiben würde.
In dem Hostel hingen überall Gitarren an den Wänden und alles war aus Holz. Die Frau an der Rezeption sagt mir, dass wir mich schon irgendwo unterkriegen und ich mir keine Sorgen machen soll. Als sie hört das ich in Irland bin um auch in einem Hostel zu arbeiten berechnet sie mir nur 10 Euro für die Nacht statt der üblichen 17. Als ich irritiert „warum das denn?“ frage kriege ich den zweiten Satz der Erkenntnis meiner Reise aufgetischt: „Wenn die Jemand etwas günstiger gibt, dann bedanke dich und gehe. Wenn er dir mehr berechnet, dann frag 'warum?'“. 

Cork bei Nacht