9/26/2014

Ich mache eine Reise



Ich habe Wanderschuhe aus Leder in meinem Schrank gefunden, mit denen ich seit Heute Morgen durchs Haus wandere und Dinge zusammensuche. Wenn man weg fährt kriegt man manchmal zum ersten Mal einen Überblick darüber mit was man eigentlich lebt. Ich teile mein Leben mit vielen Pullovern und viel zu wenig Socken. Der Boden meines Zimmers ist mit Dingen übersät, die ich vielleicht mitnehmen möchte, mein Gitarrenkoffer steht demonstrativ in der Mitte des Raumes und der Backpackerrucksack an mein Bett gelehnt. Wenn jetzt Jemand den Raum betreten würde, würde er sich umgucken und mich dann fragen „machst du eine Reise?“.

Das ist Absicht.

Ich bin genau für drei Wochen weg, aber das ist eigentlich vollkommen egal. Ich könnte gerade genauso gut aufbrechen um für ein Jahr lang durch die Welt zu ziehen. Nach und nach verstehen das die Leute mit denen mich unterhalte, aber es ist ein Lernprozess. Gestern hat mich eine Freundin gefragt: „Für wie lange gehst du?“ „Für drei Wochen“ habe ich gesagt und sie hat mich angeguckt und gelächelt um sowas wie „na das geht ja noch“ zu sagen. Und dann musste ich ein paar Mal den Kopf schütteln und einige Male etwas kurz erklären, bis sie langsam verstanden hat, dass das wirklich nicht die normalen drei Wochen sind. Als sie im späteren Verlauf des Gespräches zu einem anderen Thema feststellte „Ein Jahr ist wirklich schon eine sehr lange Zeit. Nicht so lang wie drei Wochen zwar, aber schon sehr lang.“ wusste ich, dass sie mich ein bisschen verstanden hatte.

In knapp einer Woche reisen meine Gitarre und ich also nach Irland, in die nähe von Cork an die Westküste um dort in einer kleinen irischen Stadt in einem Bed&Breakfast zu arbeiten. In Irland gibt es irische Musik, Steilküste, Meer, Kobolde und Feen.

Wenn ich ganz ehrlich bin ist das alleine Reisen eines von den Dingen die mir am meisten Angst machen überhaupt. Dicht gefolgt von tiefschwarzer nächtlicher Dunkelheit und Berufserfüllungsfindung (die macht mir nicht nur Angst, sondern auch Sorgenfalten auf der Stirn). Das finde ich ziemlich interessant, weil „Reisen“ ungefähr genau so weit oben auf der Liste meiner Herzenswünsche steht. Wobei es nicht das Reisen an sich ist was mir Angst macht, sondern eher die Tatsache alleine an einem mir unbekannten Ort zu sein und nicht zu wissen wie die Menschen dort auf einen reagieren mit der Aussicht dort für eine Zeit lang bleiben zu müssen. Und ich weiß ganz genau, dass ich mich auf dünnes Eis begebe, wenn ich darüber weiter nachdenke. Ich bin nämlich Meister darin mich in Gefühle hinein zu steigern, besonders in negative. Jetzt wo ich das so langsam begriffen habe versuche ich das allerdings bleiben zu lassen.

Deshalb kommt jetzt ein Lied, was nicht von mir ist, aber trotzdem ganz gut zusammen fasst, was der Gedanke ist, an den ich mich eigentlich halten sollte:

 http://www.youtube.com/watch?v=lbcTkaosdSE



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