9/13/2014

Au Revoir

"Bitte bleib" hat mal eine Freundin zu mir gesagt und ich hab gelächelt. Denn vielleicht geht es darum, dass Jemand "Bitte Bleib" zu dir sagt und du dann gehst. Bis zu dem Punkt hab ich es geschafft, an dem ich lächelnd an der Absprungkante stehe und Jemand zu mir sagt "Bitte bleib". Ich hab sogar verstanden, dass ich jetzt eigentlich gehen müsste, aber der Absprung fehlt. An Stelle des Absprungs ist nur ein mit Luft gefülltes Loch in Form eines Fragezeichens oder so.

Manchmal frage ich mich, wie vielen Leuten es wohl noch so geht, dass sie sich oft über die Dinge reden hören die sie tun wollen ohne irgendetwas davon bis jetzt getan zu haben. Ich würde lieber über die Dinge reden die hinter mir liegen, aber nach denen wird man eben nicht gefragt. Wie viele Leute sind zu mir gekommen mit hochgezogenen Augenbrauen und den Worten  "und, wie läuft das Abitur?" und wie viele Leute, im Vergleich, fragen mich jetzt "und, wie war die Zeit für dich als du Abi gemacht hast?".
Jetzt kommt es mir vor als würden sie schlange stehen um zu fragen "was machst du eigentlich jetzt, so nach der Schule?" Und ich merke ganz genau, wie ich exakt in dem Augenblick anfange Geschichten zu erzählen. Ich erzähle dann ein bisschen von dem was ich mir so erträume, ein bisschen erzähle ich als wäre ich Jemand der ich nicht bin aber gerne wäre und natürlich erzähle ich ihnen das was sie hören wollen. Weil mir keiner erzählen kann, zumindest von den Leuten die mich bis jetzt gefragt haben wie meine Zukunft so aussieht, dass sie nicht schon den fertigen Antwortenkatalog im Kopf hätten, aus dem ich mir jetzt eine Antwort heraussuchen darf. Das Problem ist aber, selbst wenn es den Antwortenkatalog nicht gäbe und ich einfach nur genau das sagen könnte, was mir so ganz persönlich für meine Zukunft vorschwebt, dass ich es nicht weiß. "Ich nehm was kommt" wäre eine Antwort die ich mir noch einigermaßen vorstellen könnte. Oder "ich versuche die Dinge zu tun mit denen es mir gut geht und die verändern sich eben auch oft".  Ich könnte auch sagen "ich will reisen gehen". Das würde stimmen, mich aber irgendwie auch unzufrieden machen. Mein Gegenüber würde mich dann in eine "Weltenbummler-Backpacker-Schublade" stecken die ein schönes Bild ergibt aber nicht mal ansatzweise die ganze Wahrheit ist. Ich bin auch Künstlerin in der "Zukunft". Selbsternannte immer-mal-wieder Poetin, oder sowas. Und ich werde Freunde besuchen in der "Zukunft". Ich werde ein Festival mit organisieren. Ich werde eine Menge Zeit damit verbringen in der Sonne zu sitzen, einen Kaffe mit Milch zu trinken und mir Gedanken um viele bestimmte und unbestimmte Dinge zu machen. Ich habe keine Lust mehr auf die Frage "Was machst du eigentlich jetzt, so nach der Schule?" zum Geschichtenerzähler zu werden und ich arbeite daran das "Mein Zimmer aufräumen" auch für mein Gegenüber zu einer zufriedenstellenden Antwort wird.

Ich steh also an der Absprungkante zu "Ich bin dann mal weg, aber so richtig" und alles was noch fehlt ist der Absprung. Soll er halt fehlen, ist mir recht. Ich steh hier gerne noch länger, breite vielleicht ein bisschen die Arme aus und Warte bis der Wind genau so unter mir hindurch fegt,  dass er meinen Körper leicht macht und in die Luft hebt. Oder das eben die Flut kommt. Das wird vielleicht noch etwas dauern, bis zu diesem Moment werde ich möglicherweise noch ein paar Texte über meine Angst vorm Reisen und den richtigen Moment des Beginnens schreiben müssen. Aber wenn er da ist, kann ich mit einem Lächeln und einem "Bitte bleib" im Ohr den Absprung wagen und gehen.



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